Nightmare Alley

Statt der Fantasy-Welten, die wir aus „Pans Labyrinth“ und „The Shape of Water“ gewohnt sind, bleibt der neue Film von Guillermo del Toro in einem realistischen Setting. Im Stil eines sehr verqualmten Retro-Noir taucht er in die 1940 Jahre in das Milieu der Gaukler, Jahrmarkt-Enthusiasten und Trickbetrüger ein. Nach seinem kurzen, funkelnden Auftritt als psychopathischer Lover von Barbara Streisand in „Licorice Pizza“ muss Bradley Cooper diesmal eine Hauptrolle stemmen. Er spielt Stanton Carlisle, der mit kleinen Kniffen und Grundkenntnissen menschlicher Psychologie vorgibt, übersinnliche Kräfte zu haben und Gedanken lesen zu können.

Die erste Stunde schleppt sich langatmig dahin. Als Side-Kicks säumt allerlei Hollywood-Prominenz wie Willem Defoe, Rooney Mara oder Toni Colette die Reise der Hauptfigur über diverse Jahrmärkte und Kleinkunstbühnen. Doch trotz erlesener Dekors, die dem Film Oscar-Nominierungen für die beste Kamera, das beste Szenenbild und das beste Kostümdesign einbrachten, schleppt sich die erste Stunde des mit zweieinhalb Stunden überlangen Films zäh dahin. Bei der Preisverleihung der Academy war „Nightmare Alley“ zurecht chancenlos.

Hier kann auch der Auftritt der zweiten Hauptfigur kaum noch etwas retten: Cate Blanchett betritt die Szenerie als Psychiaterin Dr. Lilith Ritter und klassische Femme Fatale. Für diese Rolle hätte man sich kaum eine bessere Darstellerin aus der Riege der Hollywood-Diven vorstellen können, aber ihre Figur entspricht so sehr dem Klischee einer typischen Femme fatale, die in keinem Noir-Film fehlen kann, dass auch aus diesem zweiten Teil die Luft bald heraus ist. „Nightmare Alley“ dümpelt seinem erwartbaren Ende entgegen, an dem Stanton Carlisle in der unterschätzten Rivalin seine Meisterin findet.

Guillermo del Toros Flm war zwar immerhin in der Königsklasse „Bester Film“ für die Oscars nominiert, ist aber aus den beschriebenen Gründen eine der Enttäuschungen des jungen Kinojahres.

Bild: Searchlight Pictures / Walt Disney Pictures

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