The Card Counter

Ein typischer Paul Schrader-Film ist „The Card Counter“: wieder erleben wir die Charakterstudie eines Getriebenen, wieder geht es um die ganz großen Themen von Trauma, Schuld, Rache und Vergebung, die den Regisseur seit seinem „Taxi Driver“-Drehbuch umtreiben.

Ähnlich düster wie in „The Batman“ geht es auch in diesem Drama zu, das William Tell (Oscar Isaac) bei der Flucht vor seinen Dämonen und Erinnerungen folgt. In langen Einstellungen an diversen Roulette- und Pokertischen erleben wir, wie dieser auf den ersten Blick elegante und in sich ruhende Mann die Situation eiskalt analysiert und Gewinne abschöpft. Er scheint sich komplett unter Kontrolle zu behalten, denn er übertreibt es nie so sehr, dass er Hausverbote in den Spielcasinos riskieren könnte, sondern setzt mit nüchtern kalkuliertem Risiko auf eine ordentliche Summe, die nie in Gier ausufert.

Credit: Courtesy of Focus Features / ©2021 Focus Features, LLC

Getriggert wird er jedoch von drei Faktoren: erstens von Lockvogel La Linda (Tiffany Haddish), die ihn für die Poker-Teams finanzkräfiger Sponsoren werben will und ihm den ganz großen Reibach verspricht, zweitens von seinen ihn immer häufiger heimsuchenden Erinnerungen an seine Zeit als Folterknecht in Abu Ghraib, für die er eine Haft im Militärgefängnis abbüßte, und drittens schließlich der junge Cirk (Tye Sheridan), der sich nach dem Suizid seines Vaters am fiktiven Major John Gordo (Willem Dafoe) rächen will, der die Folterhölle befehligte, aber selbst straflos blieb.

In seinem Alterswerk nimmt sich Schrader sehr viel Zeit für scheinbar Nebensächliches, ausführlich werden die Regeln diverser Glücksspiele beleuchtet, doch unter dieser Oberfläche brodelt es sichtlich bis zur finalen Eskalation.

„The Card Counter“ war im September 2021 in den Wettbewerb des A-Film-Festivals in Vendig eingeladen, ging dort leer aus und startete am 3. März 2022 in den deutschen Kinos.

Vorschaubild: © 2021 Lucky Number, Inc.

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