The Northman

In diesen düsteren Zeiten zwischen Pandemie und Krieg in der Ukraine ist auch das Popcorn-Kino kein Ort mehr für Eskapismus und unbeschwerte, gute Laune. Bemerkenswert düster sind dir Blockbuster, die im Frühjahr 2022 um die Aufmerksamkeit des Multiplex-Publikums konkurrieren. Düster und stellenweise regelrecht depressiv war der „Batman“ mit Robert Pattinson, nebelverhangen und ausweglos ist auch die Lage in der Wikinger-Rache-Saga „The Northman“, die Robert Eggers drehte.

Nach seinen Überraschungserfolgen mit „The Witch“ und „Der Leuchtturm/The Lighthouse“ bekam der New Yorker Filmemacher, der aus der Off-Broadway-Theaterszene stammt, ein großes Budget mit zahlreichen Stars anvertraut. Als Stoff suchte er sich den Feldzug des Prinzen Amleth aus, der den Mord am Vater rächen will und der Mutter vorwirft, dass sie so schnell eine neue Ehe einging. Bei diesen Motiven bediente sich schon Shakespeare in seinem berühmtesten Drama, der Tragödie von „Hamlet“.

Blutig geht es natürlich auch bei Shakespeare zu, aber statt der sublimierten Version des elisabethanischen Dichterfürsten erleben wir in „The Northman“ eine rohe Version, die voll auf die Zwölf geht und in ihrer Drastik kompromisslos ist. Die Kamera von Jarin Blaschke zeigt in Großaufnahme, wie Körper durchbohrt und malträtiert werden, wie Köpfe abgeschlagen werden und das Blut literweise spritzt. Alexander Sarsgård wühlt sich in der Rolle des Amleth als aufgepumpter Berserker durch die isländische Szenerie, wie man es seit Trash-Kino-Tiefpunkten wie „Conan, der Barbar“ mit Arnold Schwarzenegger selten erlebt hat.

Eimdimensional bleibt auch das Drehbuch, das Eggers gemeinsam mit Sión schrieb, der zuletzt mit dem Arthouse-Mystery „Lamb“ auffiel. Die glänzend gefilmten Schauwerte und die Starriege der Hollywood-Mimen von Ethan Hawke und Nicole Kidman als Königspaar über Willem Dafoe (Heimir der Narr) und Anya Taylor-Joy (Olga vom Birkenwald, Bond-Girl des Helden) bis zu einem Kurzauftritt von Björk als raunende Seherin können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Drehbuch dieser Rache-Story doch sehr dünn ist.

Bemerkenswert macht „The Northman“ nur die Kraft seiner Bilder, die Schmerzgrenzen austesten und auf Überwältigung abzielen.

Bild: Universal Pictures Germany

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