Polizeiruf 110: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen

Eine Woche nach dem Frankfurter „Tatort: Finsternis“ setzen die Rostocker „Polizeiruf 110“-Kollegen mit dem nächsten düsteren Familien-Drama noch eins drauf. Noch kaputter sind die Figuren, noch tiefer ihre Verstrickungen. Uwe Preuss, der in Frankfurt den manipulativen Vater spielte, ist hier als Chef der Polizeiwache der abgeklärte, ruhende Pol, der die Tragödie von außen beobachtet.

Mitten drin sind Kommissarin Katrin König (Anneke Kim Sarnau), die immer noch ihrem Bukow (Charly Hübner) nachtrauert, den sie so lange anschmachtete, bevor er in der letzten Episode schuldbeladen als einsamer Wolf das Weite suchte, und ihre neue Kollegin Melly Böwe (Lina Beckmann), die hier einen starken Einstand gibt. Das Liebes-Drama das ungleichen Paares war auserzählt, mit Beckmann, „Richard the Kid and the King“-Rampensau vom Schauspielhaus Hamburg und im wirklichen Leben mit Hübner verheiratet, kommt nun neues Leben in die Rostocker Reihe.

Mit dem Charme eines Bollerwagens brettert Melly aus dem Ruhrpott an die Ostseeküste: Max (Alessandro Schuster) ist aus der Pflegefamilie verschwunden, bei der er im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms unterkam, da die osteuropäische Mafia mit ihm und seinem Clan noch eine Rechnung offen hat. Wortkarg und schnippisch stößt Melly die Kollegin Katrin vor den Kopf: Nein, sie dürfe gar nichts sagen, aber von Max solle die Kollegin König auf alle Fälle die Finger lassen, obwohl er der Hauptverdächtige in zwei Todesfällen ist.

ARD/NDR POLIZEIRUF 110: SEINE FAMILIE KANN MAN SICH NICHT AUSSUCHEN, am Sonntag (24.04.22) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Gehetzt: Max (Alessandro Schuster) © NDR/Christine Schroeder

Der Rostocker „Polizeiruf: Seine Familie kann man sich nicht aussuchen“ von Regisseur Stefan Krohmer und Drehbuchautor Florian Oeller zeichnet die psychischen Wunden und Grausamkeiten, die sie die Figuren gegenseitig antun, plastisch nach. Der 90minütiger ist ein solides Krimi-Drama, das vor allem davon lebt, wie sich die beiden Protagonistinnen nach einfänglichem Fremdeln doch aufeinander eingrooven und sich im Finale souverän die Bälle zuspielen.

Bilder: NDR/Christine Schroeder

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