Tatort: Das Mädchen, das allein nach Haus´geht

Wie bietet man verdienten Sonntagskrimi-Kommissar*innen, die einfach keinen Bock mehr auf die Rolle haben, einen würdigen Abgang? Das „Rausschreiben“ eines Publikumslieblings aus der Serie ist eine heikle Gratwanderung. In Rostock wurde sie beim Abschied von Bukow (Charly Hübner), der als lonsesome cowboy von der Bildfläche verschwand, solide gelöst.

Eine Klasse besser gelingt der Abgang von Meret Becker als Nina Rubin: sie war einer der Lichtblicke in Dominik Grafs verschnarchter „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ und kann sich nach dem Aus ihrer Figur nun wieder ganz auf die große Leinwand konzentrieren. Karow (Mark Waschke) bekommt künftig keine Geringere als Corinna Harfouch als neue Kommissarin im Berliner rbb-Tatort an seine Seite.

Zwei verletzliche Rauhbeine, die durch die graue Metropole und ihr Nachtleben stromerten, dabei aber doch nie zueinander fanden: so behalten wir Becker/Waschke alias Rubin/Karow in Erinnerung. Kameramann Ngo The Chau, der hier nach Günter Schütters Drehbuch erstmals auch Regie führt, spielt virtuos auf der Klaviatur der ganz großen Gefühle. Er erzählt eine Geschichte von Misstrauen und Verrat zwischen dem Polizist*innen-Duo und von lesbischer Leidenschaft zwischen Beckers Rubin und der Mafiapaten-Gattin Julie Bolschakow (Bella Dayne), die als Kronzeugin gegen ihren Clan auspacken soll.

Matthias Dell schwärmte auf ZEIT Online, wie sehr Ngo The Chaus Stil am Kino von Wong Kar Wai geschult ist, und auch Heike Hubertz rühmte den letzten Fall von Meret Becker in der FAZ als einen der besten Sonntags-Krimis seit längerer Zeit. Dabei hätte einiges schief können, denn das Gelände, auf dem Rubin/Karow ermitteln, ist voller Klischees und Tretminen, die umschifft werden müssen.

Die 90 Minuten münden in eine adrenalingesättigte Verfolgungsjagd des Mafia-Clans um Yasha Bolschakow (Oleg Tikhomirow) und seine Mutter (Jeannette Spassova), die verhindern wollen, dass die Aussteigerin in einem Zeugenschutzprogramm untertaucht. Ikonische Kinobilder aus „Casablanca“ werden auch in diesem Finale zitiert, Meret Becker wird zum Abschied der rote Teppich ausgerollt.

Bilder: rbb/ARD/Hans Joachim Pfeiffer

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