Corsage

Von einer bildschönen junge Frau im goldenen Käfig eines Königshauses erzählt die österreichische Regisseurin Marie Kreutzer in ihrem Film „Corsage“, der in Cannes in der Sektion „Un certain regard“ lief und das Filmfest München eröffnete.

Die historische Figur, die im Mittelpunkt von „Corsage“ steht, stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist vo Mythen und Klischees umrankt. Dafür sorgte vor allem die kitschtiefende „Sissi“-Trilogie aus den 1950er Jahren, mit denen sich die Wirtschaftswunder-Nachkriegs-Gesellschaft in ein Idyll ohne Kriegsschuld und Trümmer wegträumte.

Eine ganz andere Sissi zeigt uns Kreutzer in ihrem knapp zweistündigen Mix aus feministischem Thesenfilm und elegischem Historienfilm: Vicky Krieps verkörpert die Kaiserin Elisabeth, deren Jugend verblasst ist und die nicht nur unter der Enge der Rituale, sondern auch unter den ständigen taxierenden Blicken und gehässigen Bemerkungen ihrer welkenden Schönheit leidet.

Die luxemburgische Schauspielerin Krieps legt die Hauptrolle in gewohnt manierierter Art an, gewann dafür aber überraschend den Preis der besten Schauspielerin in der Cannes-Sektion „Un certain regard“. Um den seelischen Schmerz ihrer Figur kreist der Film. Ihre Kernthese von der im Käfig eingesperrten Frau haben uns Regisseurin und Hauptdarstellerin schon nach wenigen Minuten eingehämmert.

Die Schwäche des Films ist, dass „Corsage“ seiner Ausgangsthese wenig hinzufügt. Hinzu kommt noch das Pech, dass Pablo Larraín erst vor wenigen Jahren mit „Spencer“ und Kirsten Stewart als Lady Diana eine sehr ähnliche Gechichte origineller erzählt hat. Das Ungewöhnlichste an diesem Werk ist sein Ende, das sich die künstlerische Freiheit nimmt, von der historischen Wahrheit über die Todesursache der unglücklichen Kaiserin abzuweichen.

So bleibt nach diesen knapp zwei Kinostunden, die sich etwas zu sehr in die Länge ziehen, als Fazit, dass der Sissi-Mythos die Künstler*innen bis heute herausfordert: nach der Wiener Volkstheater-Revue und dem RTL-Weihnachts-Mehrteiler folgen in diesem Jahr noch ein weiterer Kinofilm und eine Netflix-Serie zum Thema.

Bild: Robert Brandstätter/Alamode Film

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