Nightborn

Mit einem sehr drastischen Mix aus Body-Horror und Folk-Mystery wartete der Berlinale-Wettbewerb in diesem Jahr auf. Nach ihrem Debüt-Überraschungserfolg „Hatching“ (Sundance 2022) wurde Hanna Bergholm mit ihrem zweiten Werk gleich ins Zentrum eines A-Festivals eingeladen, wenn auch des kleinsten.

In den finnischen Wäldern träumen Saga (Seidi Haarla) und Jon (Rupert Grint) vom idyllischen Familienleben, am besten mit drei Kindern. Doch schon die Geburt des ersten Kindes wird eine sehr blutige, schmerzhafte Angelegenheit. Und auch die ersten Monate mit dem Neugeborenen sind für Saga ein Albtraum: die ständigen Schreie zerren an den Nerven von Mutter und Kinopublikum. Die Verwandten, die auf ein süßes Baby hofften, werden mit einem haarigen Troll-Wesen konfrontiert, das unberechnbar agiert: der gefühlskalten Oma (Pirkko Saisio), die in der Folge nur noch Vorwürfe per Video-Call macht und sich weiter ihrer Karriere widmet, reißt Kuura einen Ohrring ab, der Cousine bleibt nach einem Biss nur der Stumpf ihres Fingers.

Bergholm zelebriert diese Details in aller Drastik, die Horrorregler werden bis zum Anschlag aufgedreht, stöhnte Jens Balkenborg (taz). „Nightborn“ ist sicher kein subtiler Film, hat aber auch seine komödiantischen Momente: von der Ärztin über die Verwandten bis zu den ehemaligen Arbeitskolleginnen reden alle Beteiligten permanent auf Saga ein, was für ein großes Glück die Mutterschaft doch sei und dass sie ihre Rolle als fürsorgliche Mutter nun endlich annehmen solle. Dass das Kind so seltsam sei, sei doch letztlich nur ihre Schuld und eine Folge emotionaler Vernachlässigung.

„Nightborn“ ist ein 92 Minuten kurzer, schwarzhumoriger Genre-Spaß. Der Berlinale-Wettbewerb, in dem er am 14. Februar 2026 Premiere hatte, ist ein ungewöhnlicher Ort für diesen Film, der als Midnight Special besser platziert gewesen wäre. Im Rennen um die Bären ging er auch leer aus. Am 6. August 2026 brachte der Alamode Verleih ihn in die Kinos.

Bilder:© Pietari Peltola, Alamode Film

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