Tief verneigt sich Jane Schoenbrun, nonbinäre Regisseur_in aus den USA, vor den Slasher-B-Movies auf den VHS-Kassetten der 90er Jahre. „Camp Miasma“ ist ein fiktives Exemplar dieses Genres, das voller Kunstblut und mit der nötigen Portion Trash den Bösewicht Jagd auf seine Opfer machen lässt.

Fasziniert von dieser Welt ist die junge Regisseurin Kris (Hannah Einbinder), Schonbruns Alter ego, die von den Hollywood-Strategen den Auftrag bekam, die alte Filmreihe mit einem Sequel neu zu vermarkten. Mit geschultem Blick dekonstruiert sie, wie trans- und queerfeindlich die Vorlage ist. Sie steigert sich aber auch immer mehr in ihre Faszination für Billy Preston (Gillian Anderson) hinein, die das „Final Girl“ des Originals war und nun divenhaft zueückgezogen am früheren Drehort lebt.
Hier wird „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ vom augenzwinkernden Meta-Horror zur Feier des lesbischen Orgasmus. Die junge, nerdige Kris tastet sich langsam an ihren Körper heran. Die Verbindung aus queerem Empowerment und B-Movie-Hommage hält sich vom Mainstream bewusst fern, der Eröffnungsfilm der „Un certain regard“-Reihe in Cannes 2026 zielt auf die Fan-Gemeinde, die Schoenbrun seit „I saw the TV glow“ (Berlinale Panorama 2024) verehrt.

„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist ein typischer Kult-Film für die Nische, der mit seinen ironischen Brechungen und mit seinem Witz ein ganzes Stück zugänglicher ist als der Vorgänger. In Cannes gewann er die Queere Palme, beim Filmfest München hatte er am 2. Juli 2026 seine deutsche Premiere in der CineRebels-Reihe und lief anschließend auch in Karlovy Vary.
Bevor ihn MUBI am 20. August 2026 in ausgewählte Kinos bringt, präsentierte ihn die Yorck-Gruppe in einer Sommerkino-Kooperation seiner beiden Reihen MonGay und CreepyCrypt. Dass der Film in diesem Ambiente nicht absoff, sondern als Nerd-Spaß erkennbar blieb, spricht für ihn. Denn das Ausmaß, in dem hier fast ständig Zuschauer*innen durch die Gegend liefen, für Unruhe sorgten und rauchend neben den Plätzen quatschten, war selbst für OpenAir-Events außergewöhnlich störend.
Bilder: MUBI