F*cking Future

Standing Ovations gab es am Eröffnungs-Wochenende von Tanz im August für den Portugiesen Marco da Silva Ferreira und seine „F*cking Future“-Choreographie. Ganz allein kommt ein einzelner Tänzer auf die rechteckige, noch dunkle Bühne, zu einem zögerlich einsetzenden Minimal Music-Sound. Nach und nach kommen alle acht Tänzer*innen auf die schmale Fläche, die von Tribünen auf allen vier Seiten eingerahmt ist.

Erste ruckartige Bewegungen setzen ein, auch die Musik wird energetischer, kraftvolle Beats erzeugen Klubatmosphäre. Besonders hervorzuheben sind die Kostüme, die der auch selbst mittanzende Choreograph entworfen hat. Das Ensemble steckt im Leder-Outfit mit transparenten Kettenhemden und blutrot umrandeten Augen.

Auf Militanz und toxische Männlicheit soll dieses Arrangement laut Pressetext hindeuten. Diese Aspekte arbeiten andere Choreographinen wie Sharon Eyal wesentlich präziser heraus, bei ihr formieren sich die Compagnien in viel strengerem Takt zu einer echten Phalanx. Fereira lässt den Tänzer*innen immer Freiraum für Individualität, sie bewegen sich im Takt, sind aber mit kleinen Abweichungen und Nuancen nicht ganz synchron.

Deshalb kommt bei „F*cking Future“ der andere Aspekt stärker zur Geltung:Der Mittelteil kulminiert auf dem Höhepunkt der Beats in einem queeren Manifest: Der Song „Are you with me?“ wiederholt „I don´t care – what people say“ und betont das Selbstbewusstsein der Tänzer*innen, die ihre Freiheit ausleben. Der Text ist zwar nicht ganz verständlich, aber auf dem ausgelegten Abendzettel nachzulesen.

Langsam flachen die Beats nach der Klimax ab, nehmen in kleineren Wellen noch mal Anlauf, bis sich das verschwitzte Ensemble zu „Dream Baby Dream“ von Bruce Springsteen zwischen dem Publikum durch die ausverkauften Tribünen hangelt und alle auffordert: „I just want to see you smile“.

Die internationale Koproduktion hatte am 19. September 2025 bei der Tanz-Biennale in Lyon Premiere, seitdem ist auch ein Mitschnitt in der arte-Mediathek abrufbar. Nach weiteren Stationen bei PACT Zollverein im Oktober 2025 und Sadler´s Wells im Juni 2026 läuft „F*cking Future“ von 14.-16. August 2026 im Rahmen von Tanz im August im Radialsystem V als mitreißendes Empowerment-Tanztheater an einem heißen Sommerabend. In den kommenden Tagen wird es sicher verkopftere, ausgefeiltere Inszenierungen geben, aber „F*cking Future“ schafft es, einen Sog zu entfalten und gute Laune zu verbreiten, bis am Ende fast all beim Applaus stehen.

Bilder: Blandine Solange

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert