Rosa L.

Beim Einlass in die Kammer des Deutschen Theaters Berlin wird das Publikum von den Schauspieler*innen mit Wodka und polnischen Schoko-Bonbons, gefüllt mit Pflaumenmus, empfangen. Sehr niedrigschwellig geht es auch weiter: Anastasia Gubareva, die hier als Gast dabei ist und dem Berliner Publikum aus ihrer Zeit an Shermin Langhoffs Gorki Theater bestens vertraut ist, studiert mit uns ein polnisches Lied ein. 

Man wundert sich: welchen Bezug hat das zu Rosa Luxemburg, der Ikone der Linken, die in diesen 100 Minuten näher vorgestellt wird? Das Lied stammt aus dem Biopic von Margarete von Trotta aus dem Jahr 1986, dort sang es Rosa Luxemburg, die in Polen geboren und aufgewachsen ist, ihrer Nichte als Einschlaflied vor.

Mit solch netten Infotainment-Häppchen geht der Abend weiter. Lose inspiriert von dem bereits genannten Biopic und einer Graphic Novel von Kate Evans hakt die Lecture Performance-Comedy die biographischen Stationen ab.

Mareike Beykirch bildet das Zentrum als Rosa Luxemburg, um sie herum wuseln die bereits erwähnte Anastasia Gubareva und die beiden DT-Ensemble-Mitglieder Jörg Pose und Caner Sunar. Sie schlüpfen in wechselnde Rollen der Weggefährten wie Eduard Bernstein, Friedrich Ebert, Karl Kautzky oder Clara Zetkin.

Der Fokus liegt klar auf privaten Briefen und Fotoaufnahmen, die großen Reden und Aktionen der Luxemburg kommen höchstens als Hintergrundrauschen vor. Tiefschürfende Erkenntnisse bietet das Bühnen-Biopic dementsprechend leider nicht.

Immerhin war mal wieder die tolle Singstimme von Anastasia Gubareva zu hören, die unter den Berliner Schauspielerinnen eine Klasse für sich ist. Außerdem gelang es dem kroatischen Duo aus Regisseurin Anica Tomić und ihrer Autorin und Dramaturgin Jelena Kovačić, dass sich die ironisch-lässige Stimmung fast unmerklich bis zum tödlichen Finale im Gefängnis und im Landwehrkanal verdüstert. „Rosa L.“ ist ihre zweite Arbeit am DT nach einer „Nora“-Überschreibung vom Januar 2024.

Gewinnbringender als die 100 Theater-Minuten war jedoch der Einführungs-Talk mit Prof. Naika Foroutan (Direktorin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung) und Dr. Uwe Sonnenborn (Rosa Luxemburg-Stiftung).

„Rosa L.“ hatte am 6. November 2026 in der Kammer des Deutschen Theaters Berlin Premiere.

Bild: Jasmin Schuller

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