Einen wichtigen Film drehte Aaron Sorkin mit „The Social Reckoning“. Leider keinen guten. Wie schon 2010 in „The Social Network“ beleuchtet er wieder die Geschäftspraktiken von Mark Zuckerberg und Facebook. Damals schrieb er das Drehbuch und bildete mit Regisseur David Fincher sowie Hauptdarsteller Jesse Eisenberg als kongeniale Verkörperung von Mark Zuckerberg ein starkes Trio.
17 Jahre später ist die Entwicklung der Social Media rasant fortgeschritten. Facebook ist mit Instagram in Meta aufgegangen. Das Geschäftsmodell wurde verfeinert, der Algorithmus so ausgeklügelt, dass er mit ständig neuen Reizen und Dopamin-Dosen zu einer möglichst langen Verweildauer auf den Plattformen führt. Dies offenzulegen, war das Verdienst der Pulitzer-gekrönten Recherche-Serie „The Facebook Files“ von Jeff Horwitz, die ab 2019 im Wall Street Journal erschien und für die Frances Haugen als Whistleblowerin und Aussteigerin brisante Interna beisteuerte.
Sorkin zeichnet diese tatsächliche Begebenheit nach. Er schrieb aber diesmal nicht nur das Drehbuch, sondern führt auch Regie und musste auf seinen Hauptdarsteller verzichten. Statt Eisenberg, der den jungen Zuckerberg als schlaksigen Nerd glänzend verkörperte, tritt in „The Social Reckoning“ Jeremy Strong als Karikatur eines machtbesessenen Autisten auf.
Unter der unverkennbaren Klang-Sauce von Alexandre Desplat, die so viele mittelmäßige Filme mit emotionalem Brei zukleistert, erleben wir hier holzschnittartige Figuren in arg konventionell abgespulten Szenen. Was den Redakteur Horwitz und seine Quelle Haugen antreibt, die von Jeremy Allen White und Mickey Madison gespielt werden, vermag Sorkin nicht herauszuarbeiten.
Schade, denn dieses wichtige Thema hätte einen besseren Film verdient.
„The Social Reckoning“ wurde erstmals am 30. September 2026 in London präsentiert und startete wenige Tage später am 8. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.
Bild: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH