Einhellig war das Lob vor vier Jahren, als Daniela Dröscher ihren autofiktionalen Roman „Lügen über meine Mutter“ veröffenlichte. Auf mehr als 400 Seiten breitete sie aus, wie Cornelia tief in der bundesrepublikanischen Provinz im Hunsrück versauert. Ihr Mann macht ihr das Leben zur Hölle. Dass die erhoffte Beförderung an seiner eigenen Mittelmäßigkeit scheitert, will er nicht wahrhaben. Sie sei einfach nicht vorzeigbar und attraktiv genug, bei jeder Gelegenheit hält er ihr die Speckröllchen und die überzähligen Kilos vor. Außerdem stemmt er sich auch noch gegen ihren beruflichen Wiedereinstieg als Fremdsprachen-Chefsekretärin.
Dieses schmerzhaft-präzise Soziogramm von Daniela Dröscher schaffte es im Herbst 2022 auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis, der in einem starken Jahrgang an Kim de l`Horizons „Blutbuch“ ging. Rosalie Thomass schrieb die Drehbuchfassung und trägt den Film ihres Partners Aron Lehmann in der Hauptrolle der Cornelia. Im Kinosessel erleben wir ihre Wut, ihren Frust, ihre Fressattacken und die kleinen Hoffnungsschimmer mit, die von der Boshaftighkeit der Schwiegermutter Martha (Juliane Köhler) und ihres Ehemanns Werner (Golo Euler) durchkreuzt werden. Wieder und wieder muss sie sich auf die Waage stellen oder angeblich unterschlagenes Geld zurückzahlen.

Wie in der Vorlage erzählt uns diese tragikomische Geschichte einer Frau, die sich zur Wehr setzen muss, die Tochter. Mit den Augen von Ela (Elise Lindner) häufig schräg von unten gefilmt, führen die 102 Minuten in die geistige Enge dieser Provinz. Als Bodyshaming würde man heute bezeichnen, was Cornelia durchmacht. Demonstrativ tanzt sie in zu engen Leggins zu Herbert Grönemeyers „Männer“ bei dem Dorffest, bei dem sich Werner mit seiner Tennis-Partnerin vergnügt.
Bis zum optimistischen Finale, das einen Ausweg aufleuchten lässt, seziert der Film das Schicksal seiner Figuren auf eine geradezu körperlich schmerzhafte Weise, die durch den lässigen Tonfall ausgeglichen wird. Der Vorlage bleiben Lehmann/Thomass treu, ihnen gelingt eine überzeugende Roman-Adaption, die fast einhellig gelobt wurde wie damals der Roman.
Die Tobis/ZDF-Koproduktion „Lügen über meine Mutter“ hatte am 26. September 2026 in der Sektion Große Freiheit des Filmfests Hamburg Premiere und startete am 8. Oktober 2026 in den Kinos.
Bilder: TOBIS Film/Frank Dicks