9 Tage wach

Die autobiographische Lebensbeichte von GZSZ-Sternchen Eric Stehfest und sein Crystal Meth-Trip wurden in den vergangenen Jahren mehrfach für Bühne und Film adaptiert: Fabian Gerhardt machte im Frühjahr 2019 daraus für die Neuköllner Oper ein Musical mit krachenden Beats und einprägsamen Songs, im März 2020 präsentierte Pro7 eine TV-Version, die ganz auf Hauptdarsteller Jannik Schümann zugeschnitten war.

Die Uraufführung der Bühnen-Fassung von John von Düffel fand aber bereits im November 2018 in Dresden und ist an diesem Wochenende als Stream abrufbar. So sprunghaft-assoziativ wie die Roman-Vorlage ist auch der knapp zweistündige Theater-Abend, den vor allem Moritz Kienemann trägt. Er spielt den jungen Mann, der in die Spirale der Sucht hineingerät, in seiner gewohnt sehr körperbetonten Spielweise, mit der er 2019 bei den beiden Dresdner Theatertreffen-Einladungen „Das große Heft“ und „Erniedrigte und Beleidigte“. Oft in Video-Großaufnahme verkörpert er den aufgewühlten Protagonisten Eric, der in den Schlüsselszenen des Abends vor dem Staatsanwalt sitzt und sich rechtfertigen muss.

Regisseur Sebastian Klink, der zu Volksbühnen-Zeiten lange Jahre Castorfs Assistent war, aber auch mit kleineren Arbeiten auffiel, verzichtet anders als sein Vorbild auf Fremdtexte, sondern bleibt in dieser Uraufführungs-Inszenierung nah an der Vorlage und ihrem Stoff. Durch schnelle Schnitte und häufige Rollenwechsel der beiden anderen Spieler*innen (Eva Hüster und Jannik Hinsch) bekommt der Drogen-Trip-Abend eine fiebrige Intensität.

Bilder: Sebastian Hoppe

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