Needles and Opium

Zum Abschluss des FIND-Festivals war der frankokanadische Illusionskünstler Robert Lepage an der Schaubühne zu erleben. Fast vier Jahrzehnte ist seine Produktion „Needles and Opium“ bereits alt, ursprünglich führte er sie als autobiographisch inspiriertes Solo und Hommage an das Paris der Existentialisten und der Nouvelle Vague auf.

Wie das Blättern durch ein altes Magazin fühlt sich der 90minütige Abend an: viel Name-Dropping von Jean-Paul Sartre über Juliette Gréco bis Louis Malle lässt ein kulturhistorisches Panorama einer untergegangenen Epoche entstehen, mit Jean Cocteau und Miles Davis im Mittelpunkt, die von Olivier Normand und Wellesly Robertson III verkörpert werden.

Die hingetupften Szenen wirken betulich und banal, das Stück lebt von seinen Schauwerten. „Needles and Opium“ ist in mehrfach überarbeiteter Version ein Signature Piece für den unverwechselbaren Stil, mit dem Lepage und seine Firma Ex Machina in Québec wie am Fließband produzieren und die Inszenierungen um die Welt schicken. Der kleine Einblick in seinen Betrieb, den der fast 70jährige Altmeister im Publikumsgespräch gab, war das Interessanteste an diesem Gastspiel.

Eine ganze Armada zehn schwarz gekleideter Helfer muss den Prozess an Laufen halten, so dass auf der rotierenden Kippbühne stets neue Illusionen erscheinen , sich Fenster und Türen öffnen, Gegenstände an den richtigen Ort fallen und die beiden Spieler an ihren Halteseilen nicht abrutschen.

An der Schaubühne gastierte Lepage bereits vor vier Jahren mit zwei Gastspielen, damals als „Artist in Focus“ der FIND-Ausgabe 2022. Seit zwei Jahren ist seine mit dem Schaubühnen-Ensemble entwickelte Arbeit „Glaube, Geld, Krieg und Liebe“ im Repertoire. Sie schaffte es wegen ihrer technischen Brillanz auf die Shortlist, wegen ihrer inhaltlichen Mängel aber nicht in die 10er-Auswahl des Theatertreffens 2025.

„Needles and Opium“ gastierte vom 24.-26. April 2026 im Saal B der Schaubühne, die heutige letzte Vorstellung ist bereits ausverkauft.

Bild: Tristram Kenton

 

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