Neben „Macacos“ gab es beim FIND-Festival der Schaubühne noch ein zweites Gastspiel aus São Paulo: Janaina Leite, die sich mit ihren provokativen Arbeiten bereits einen Namen gemacht hat, war erstmals in Berlin mit „Stabat Mater“ zu Gast., einer die Genre-Grenzen sprengenden Inszenierung von 2019.
Ähnlich wie Carolina Bianchi, die bereits regelmäßig am HAU auftrat, mixt sie wortreiche Lecture-Performances mit autobiographischen Tabubrüchen. Biblische Mythologie und psychoanalytische Ansätze umkreisen einander in dem 100minütigen Redeschwall. Wesentliche Anker der sprunghaften Dramaturgie sind die Jungfrauen-Geburt und die Zweifel an diesem katholischen Dogma, ein nur angedeuteter sexueller Missbrauch und die Passivität der Mutter Amália Fontes Leite, die ebenfalls mit auf der Bühne steht.
Auch hier gibt es interaktive Mitmach-Elemente, die sich ähnlich wie bei „Macacos“ nicht bruchlos einfügen. Der Abend steuert auf das pornographische Video zu, das dazu führte, dass die ganze Produktion als Ü18 eingestuft werden musste. Vor den Augen der Mutter lässt sich Janaine Leite in mehreren Stellungen von einem professionellen Sex-Darsteller bearbeiten, der in einem Casting aus mehreren Bewerbern ausgewählt wurde.
In seinem Motiv-Reichtum wirkt „Stabat mater“ überfrachtet und mit seinem Porno-Finale zu kalkuliert. An drei ausverkauften Abenden war das Gastspiel von 20.-22. April 2026 auf der kleinsten Schaubühnen-Spielstätte am Ku´damm 156 zu sehen. Wie bei Off-Spielstätten üblich, muss man auch hier damit rechnen, dass man von der hampelnden Nachbarin aus der hinteren Reihe einen Tritt in den Rücken bekommt, da die Stühle keine durchgehende Rückenlehne haben.
Bild: André Cherri