Eine Menge Sitzfleisch erfordert „The Whole Bloody Affair“, die finale Version des Quentin Tarantino-Spektakels „Kill Bill“. Deutlich mehr als vier Stunden inklusive es überflüssigen Computeranimations-Nachklapps, den nur noch wenige Zuschauer nach dem Abspann mitbekommen haben, dauert dieser Director´s Cut, der „Kill Bill“ endlich in der ursprünglich gedachten Form präsentiert.
Harvey Weinstein und seine Miramax-Firma drängten darauf, in der Hälfte dieses episodisch ausufernden Epos einen Schnitt zu machen. Volume I erschien im Herbst 2003, Volume II im Frühjahr 2004, die „Whole Bloody Affair“ war bisher nur in Cannes 2004 außer Konkurrenz zu sehen.
Die unterschiedlichen Teile ergeben erst in der Gesamtschau ein Ganzes: in Teil I dominieren die Blutspritzer und Martial Arts-Schauwerte, ikonisch der Aufmarsch zum Showdown im Haus der Blauen Blätter zum Instrumental Rock „Battle without honor or humanity“ von Tomoyasu Hotei, den natürlich eine Zuschauerin mit ihrem Smartphone-Gefilme ruinieren musste. Die Anspielungen auf all die Eastern und Kung Fu-Streifen erschließen sich nur Nerds wie Tarantino, der sich in Videotheken eingrub. Eine kleine, zu lang geratene Hommage gibts in diesem ersten Teil auch an die japanische Anime-Kultur.
Vom zweiten Teil bleiben als markante Action-Szenen die schwarze Giftschlange, ein Begräbnis bei lebendigem Leib und ein weiteres Schwertkampf-Duell in Erinnerung. Der Ton wird elegischer, wie in einer griechischen Tragödie erfahren wir, warum der Rachedurst von Beatrix (Uma Thurman) auf Bill (David Carradine) so gewaltig ist und was die beiden entzweite. Die Hauptdarsteller waren damals auch für einen Golden Globe nominiert, Thurman sogar 2004 und 2005 für jeden der beiden Teile.
Seit 16. April 2026 läuft „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ in ausgewählten Kinos, zum Teil auch in 70 mm.
Bild: Studiocanal GmbH Filmverleih