Die Physiker

Im ausgehenden 20. Jahrhundert waren Friedrich Dürrenmatts „Physiker“ ein Dauerbrenner auf den Bühnen und Lehrplänen, heute wird die Wissenschafts-Groteske nur noch selten gespielt. Bastian Kraft, dem DT Berlin schon seit Uli Khuons Intendanz eng verbunden, macht den Versuch einer Ausgrabung.

Doch die Farce und Groteske, die in dem Stück angelegt sind, interessieren ihn weniger. Vor allem in der ersten Hälfte konzentriert er sich auf den wendungsreichen Krimi-Plot, der hier nicht gespoilert werden soll, auch wenn ihn viele Zuschauer schon aus der Schullektüre kennen werden. Jonas Hien spielt den Kommissar, der in der minimalistisch eingerichteten Psychiatrie nach mehreren Mordfällen an Krankenschwestern ermitteln soll. Sein Auftritt ist eine der wenigen Ausnahmen vom Prinzip, dass die Rollen cross-gender-besetzt sind.

Dies hat immerhin den schönen Effekt, dass Uli Matthes als verhuschte alte Jungfer die Rolle des Fräulein von Zahnd spielen darf, der einzig wirklich Verrückten in diesem Irrenhaus. Bis auf diesen kleinen Farbtupfer bleiben die 90 Minuten viel zu bieder und matt, der Klassiker wird pflichtbewusst abgespult. Als Gast ist in der Rolle von Albert Einstein Carmen Steinert dabei, die im vergangenen Jahr den Alfred Kerr-Preis beim Theatertreffen für das Magdeburger „Blutbuch“ gewann, aber hier kaum Raum bekommt. 

Mit dem Dürrenmatt-Stück wusste Bastian Kraft offensichtlich wenig anzufangen, seine Spezialität sind Drag-Revuen, „ugly duckling“ ist seit 2019 ein Hit in der DT-Kammer, seine Fortentwicklung, koproduziert von Thalia Theater Hamburg und Schauspielhaus Zürich, stand dieses Jahr auf der Theatertreffen-Shortlist. Doch davon ist dieser Abend weit entfernt.

„Die Physiker“ hatten am 24. April 2026 am Deutschen Theater Berlin Premiere. 

Bilder: Eike Walkenhorst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert