A Divine Comedy

Eine Woche nach der Eröffnung von René Polleschs Volksbühnen-Intendanz mit seiner kleinen Zirkus- und Vorhang-Spielerei stellt sich Florentina Holzinger mit „A Divine Comedy“ als neue Hausregissurin vor. Bei seiner Antritts-Pressekonferenz im Sommer 2019 nannte er die österreichische Radikal-Performerin in gefühlt jedem dritten Satz. Tief beeindruckt zeigte er sich von ihren Gastspielen in den wesentlich kleineren Sophiensaelen.

Zwischen der Ankündigung auf der damaligen PK und ihrem ersten Auftritt in der Volksbühne liegen nicht nur zwei Lockdowns, sondern auch der künstlerische Durchbruch von Florentina Holzinger. Seit „Tanz“, das zum Theatertreffen 2020 eingeladen war, dort aber nicht mehr gezeigt werden konnte, ist sie kein Geheimtipp mehr, sondern ein Star der Szene.

Der Hype um ein Stück verführt Künstler*innen oft dazu, eine erfolgreiche Idee zur Marke auszubauen: im besten Fall werden sie Kult, im schlechteren Fall zur Masche, die sich nach ein paar Wiederholungen totläuft. Welchen Verlauf die Karriere von Florentina Holzinger nehmen wird, ist noch ungewiss. Aber „A Divine Comedy“, das im August 2021 schon in einer Duisburger Industriehalle auf der Ruhrtriennale Premiere hatte und heute an der koproduzierenden Volksbühne gezeigt wurde, ist leider nur ein lauer Aufguss von „Tanz“.

Nach einer überlangen Parodie auf Hypnose-Shows zum Einstieg bietet Holzinger in einer ebenso bunten wie wenig stringenten Revue alles auf, wofür ihre Performances stehen: nackte Frauen, die über Hürden sprinten oder kopfüber von der Decke baumeln, viel Ekel-Theater mit Großaufnahmen sezierter Ratten, dazu eine Prise Happening und Fluxus-Action-Painting und schließlich noch mehr furzende und kackende nackten Frauen.

Zu oft hängen diese zwei Stunden durch, zu wenig hat die Performance mit dem Dante-Meisterwerk „La Divina Commedia“ zu tun. Zurecht fielen die Kritiken schon nach der Premiere sehr durchwachsen aus.

Immerhin darf sich Florentina Holzinger glücklich schätzen, dass ihre Idee, den Performerinnen Skelette auf den Rücken zu schnallen, dem Intendanten René Pollesch und seinem Team so gut gefiel, dass sie sie gleich für die Eröffnungspremiere abkupferten und Martin Wuttke dort ebenfalls mit einem Skelett auftrat.

Bilder: Nicole Marianna Wytyczak

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