Sonoma

Eine rätselhafte, surrealistische Welt voller Anspielungen auf Antike, Mythologie und Christentum präsentieren Marcos Morau und sein katalanisches Ensemble „La Veronal“ bei ihrem „Tanz im August“-Gastspiel auf der großen Bühne.

Für die 75minütige Choreographie haben Morau und sein Dramaturg Roberto Fratini eine bildstarke Arbeit entwickelt, die sehr wuchtig sein will, aber zu überfrachtet ist. Von der Belagerung Sarajevos und Leningrads über ein großes Holzkreuz, das über die Bühne gezerrt wird, bis zu den altertümlichen Hauben und Reifröcken, mit denen das rein weibliche Ensemble zu Beginn auftritt und damit an die Kostüme in der dystopischen Serie „A Handmaid´s Tale“ nach Margaret Atwood oder „Hexenjagd“-Inszenierungen des Klassikers von Arthur Miller erinnert: im Breitbild-Format jagt ein opulentes Tableau das nächste. Stampfend und keuchend performt „La Veronal“ ekstatische Tänze oder lauscht den stilleren Passagen aus dem Off.

Bild: Albert Mauve

Die Arbeit, die im Sommer 2020 im Museu Nacional in Barcelona erstmals gezeigt wurde, zielt darauf, europaweit von Festival zu Festival zu touren, in Deutschland war sie z.B. bereits bei der Tanzplattform Rhein-Main oder dem Colours-Festival im Theaterhaus Stuttgart zu sehen. Die Aneinanderreihungen von bildungsbürgerlichen Anspielungen wirken allerdings zu willkürlich und beliebig. Es bleibt der Eindruck einer effektsicher inszenierten, dramaturgisch zu wenig ausgefeilten Produktion, die die gesamte große Bühne füllt, aber dennoch kaum nachwirkt.

Vorschaubild: Anna Fàbrega

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