Mit ihrem zweiten Film „Calle Málaga“ eroberte Maryam Touzani die Herzen des Publikums in Venedig 2025. Ihr feinfühliges, tragikomisches Familiendrama über eine schwierige Mutter-Tochter-Verhältnis gewann den Publikumspreis in der neu geschaffenen Sektion Venezia Spotlight (ehemals Orizzonti Extra“).
Der Plot lässt sich recht knapp zusammenfassen: Maria Angéles lebt schon seit Jahrzehnten in der Calle Málaga in Tanger und ist in der spanischen Community, die vor Franco nach Marokko floh, tief verwurzelt. Nach dem Tod ihres Mannes und dem Wegzug der erwachsenen Tochter nach Madrid lebt sie allein in der viel zu großen Wohnung. Aber daran möchte sie auch nichts ändern.
Zum Konflikt kommt es, als die Tochter Clara (Marta Etura) bei einem ihrer seltenen Besuche verkündet: die Wohnung, die der Vater auf sie überschrieben hat, werde sie verkaufen. Das Geld brauche sie, um eine Wohnung in Madrid zu kaufen. Ihr Plan war, die Mutter mit nach Spanien zu nehmen, dann kann sie sich auch um die Enkel kümmern. Doch Maria Angéles sträubt sich: lieber lässt sie sich ins Seniorenheim in Tanger stecken. Als das Pflegepersonal sie zu übergriffig von oben herab behandelt, zieht sie kurzerhand in die leere Wohnung und kauft die Möbel zurück.
Herzstück des Films ist Carmen Maura, Star der frühen Pedro Almodóvar-Filme, die als energische alte Dame mit viel Chuzpe ihre Mittel und Wege findet, sich nicht so einfach herumschubsen zu lassen. „Calle Málaga“ ist ganz auf sie zugeschnitten und erzählt von den gewitzten Geschäftsideen, mit denen Maria Ángeles ihre Widersacherinnen austrickst.
Der Film erzählt aber auch von einer Liebesgeschichte im hohen Alter. Der Antiquitätenhändler Abslam (Ahmed Boulane) zog sie zunächst über den Tisch, wird aber im Lauf des Films zu ihrem Liebhaber. Die beiden alternden, faltigen Körper werden nicht versteckt, sondern von Virgibie Surdej würdevoll präsentiert.
Nach „Das Blau des Kaftans“ gelang Maryam Touzani auch mit „Callé Malaga – Zuhause in Tanger“ ein sehenswerter Film. Nach der Premiere in Venedig lief er u.a. in Toronto und Zürich sowie im Dezember 2025 bei „Around the World in 14 films“. Marokko nominierte ihn auch für die Oscar-Verleihung des besten fremdsprachigen Films.
Am 26. März 2026 brachte der Pandora Filmverleih „Calle Málaga“ in die deutschen Kinos.
Bild: Pandora Film