Wenige Tage nach der öffentlichkeitswirksamen Totalblockade der Brenner-Autobahn am Pfingstwochenende wird der Frust der Anwohner*innen dieses Nadelöhrs zwischen Österreich und Italien auch im Aachener Gastspiel „Blutbrot“ spürbar.
Dieser Unmut ist ein Erzählstrang in Miriam Unterthiners Stück, das mit dem Kleist-Nachwuchspreis prämiert wurde und deshalb im September 2025 in der Kammer des Stadttheaters im äußersten Westen Deutschlands zur Uraufführung kam. Kurz danach folgt eine weitere Inszenierung am Wiener Theater am Werk.
Der Brenner ist aber nicht nur als stau- und abgasgeplagte Transitstrecke für Schwerlastverkehr und PKW-Kolonnen bekannt, sondern als „Rattenlinie“ für Nazis berüchtigt, die sich via Italien nach Lateinamerika absetzen wollten.
Der fordernde Text voller Wortkaskaden, der manchmal wie Jelinek kalauert, demonstriert das Talent der jungen Autorin. Sie hat sich auch selbst in den Text hineingeschrieben, Maurice Läbe übernimmt diese Rolle, eingezwängt zwischen dem Publikum und dem vierköpfigen Chor in volkstümelnder Tracht.

Auf gewitzte und interessante Art verknüpft „Blutbrot“ Motive aus Geographie, Ethnologie und Zeitgeschichte zu einem 90minütigen Gastspiel, das in der Box des Deutschen Theaters Berlin am Eröffnungswochenende der Autor*innentheatertage viel Applaus bekam.
Bilder: Thilo Beu