Mit geradezu kindlicher Freude toben sich die sechs Performer*innen in diesen ungewöhnlichen achtzig Minuten aus. Als sie am Ende ihre Bademäntel übergezogen haben, blickt man in strahlende, verschwitzte Gesichter, die auch noch Spuren des „Glitsch“ tragen.
Beim „Glitsch“ handelt es sich um eine gelbliche Glibbermasse, mit der das Sextett hantiert. Sie kneten ihn, wälzen sich darin, nutzen ihn als Verbindungselement zwischen ihren Körpern oder am liebsten füt die nächste Rutschpartie. Ganz zum Schluss bekommen auch einige in der ersten Reihe ein kleines bisschen „Glitsch“ als Kostprobe überreicht.
Bis auf kurze skandierte Ausrufe von Dennis Fell-Hernandez wird hier ausschließlich nonverbal kommuniziert. Die Performer*innen ziehen sich mal in ihr jeweiliges kleines Habitat zurück oder suchen die Nähe. Sie zerren sich dann mal gegenseitig an Haaren oder Armen unsanft über den kahlen Boden der Therese-Giehse-Halle der Münchner Kammerspiele, viel häufiger kuscheln sie sich zärtlich aneinander und bilden diverse Formationen.

Wie von der österreichischen Choreographin Doris Uhlich gewohnt, decken die sechs nackten Körper eine sehr große Bandbreite ab: vom blonden Modellathleten, der die gängigen Schönheitsideale fast schon zu perfekt erfüllt, bis zu Körpern mit sichtbaren Beeinträchtigungen agieren hier alle ganz selbstverständlich nebeneinander, nehmen Rücksicht und bilden eine sehr bunte Einheit.
In Österreich ist Uhlich längst ein Star, gewann 2024 den nationalen Kunstpreis. An den Münchner Kammerspielen arbeitet sie regelmäßig, oft mit Laien, diesmal mit inklusivem Ensemble, das sich lustvoll in zappelnd-ekstatische Verrenkung wirft, sich zu Techno und Ambient verausgabt und in den wenigen stilleren Momenten Atem holt.
Am 25. April 2026 hatte das bemerkenswerte Tanz-Projekt „Glitsch“ in der Therese-Giehse-Halle der Münchner Kammerspiele Premiere.
Bilder: Judith Buss