Kassandra or Songs of the Canaries

Wütend verabschiedet sich das Gorki von Shermin Langhoff nach 13 aufregenden Jahren, die tiefe Spuren im kulturellen Leben hinterlassen haben. Die polnische Regisseurin Marta Górnicka, die viele ihrer Chorprojekte in Koproduktion mit dem Gorki realisierte, darf als letzte Premiere auf der großen Bühne einen sehr interdisziplinären, stimmgewaltigen Chor verschiedener Nationalitäten und Generationen dirigieren, wie üblich von Reihe 10 Mitte im Parkett aus.

Die Angriffe auf den Iran, der Alltags-Rassismus, den Migrant*innen erleben, die Stadtbild-Debatte: diese und viele weitere Themen, die der Gorki-Crew auf den Nägeln brennen, purzeln hier durcheinander. Die Tonlage ist polemisch und ironisch-karikierend: zentrale Textbausteine aus den Sonntagsreden des Establishments wie Erinnerungskultur und Völkerrecht werden grimassierend und ironisch zerdehnt.

Sicher gab es in den vergangenen Jahren und insbesondere auf der starken Zielgerade der letzten zwei Spielzeiten viele dramaturgisch gelungenere Inszenierungen am Gorki. „Kassandra“ ist ein lautstarker Zwischenruf zum Abschied, ein bunter Strauß der Themen, die am Haus bearbeitet wurden.

Am 18. April 2026 wurde „Kassandra“ auf der Gorki Bühne uraufgeführt, in Kooperatiom mit dem Theater Thikwa und gefördert vom Hauptstadtkulturfonds. Anfang Juni folgen noch drei Gastspiel-Termine im Akademietheater im Rahmen der Wiener Festwochen.

Bild: Magda Hueckel

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