In Grau- und Sepia-Tönen ertrinkt dieses Porträt einer vom Krieg traumatisierten Gesellschaft. László Nemes war nach seinem Oscar-prämierten Debüt „Son of Saul“ (2016) ein Hoffnungsträger des europäischen Autorenkinos, auch sein drittes Projekt klang auf dem Papier vielversprechend.
Er wollte aus der Perspektive des jüdischen Jungen Andor Hirsch (Barabás Bojtorján) eine doppelte Enttäuschung und Erstarrung. Er muss erfahren, dass sein mit einem Gedenkschrein verehrter Vater nicht von den Nazis ermordet wurde, sondern dass sein Erzeuger der grobschlächtige, brutale Metzger Berend (Grégory Gadebois) ist: seine Mutter Klára (Andrea Waskovics) durfte sich bei ihm verstecken, aber seine Übergriffe erdulden. Die zweite Enttäuschung ist die Brutalität der Sowjets, die ein Jahr nach der Niederschlagung des Ungarn-Aufstands von 1956 den Repressionsapparat ausbauten.

Diesen eigentlich spannenden Stoff verfilmt Nemes als Aneinanderreihung historischer Tableaus, denen jede Lebendigkeit fehlt. Die 132 Filmminuten ziehen sich. Dementsprechend ging „Andor Hirsch“ (Originaltitel: „Árva“, was „Waise“ bedeutet) bei seiner Premiere im stark besetzten Wettbewerb von Venedig 2025 leer aus. Es folgten weitere Festival-Einladungen z.B. nach London, Mannheim-Heidelberg und Zürich sowie im Dezember 2025 zu Around the World in 14 films.
Am 14. Mai 2026 brachte MUBI diese ZDF/arte-Koproduktion in die deutschen Programmkinos.
Bilder: MUBI