Was haben wir gelacht

Als „Peak cringe“ stufte Susan Vahabzadeh (SZ) die Collage aus dem TV-Archiv der 1990er und frühen 2000er ein: Thomas Gottschalk ganz in seinem Element, als er jede, wirklich jede Frau auf der „Wetten, dass?“-Couch am Knie angrapscht und oft mit anzüglichen Kommentaren vorführt. Oder Harald Schmidt mit seinem beleidigenden Gag über die lesbische Talk-Kollegin Bettina Böttinger, dass sie doch eh kein Mann anfassen wolle. Oder der Kölner Karnevalist, der Hella von Sinnen im SWR-Nachtcafé vorhält, sie sei komplett gescheitert und alle Einwände selbstzufrieden an sich abprallen lässt.

Archiv-Bild: ZDF, Wetten, dass…?, 05.12.1998

Eva Müller und Isabel Schneider trugen in fleißiger Recherche-Arbeit zusammen, wie zotig und zum Fremdschämen das Unterhaltungs-TV, das damals Millionen vor dem Bildschirm versammelte, vor gar nicht so langer Zeit war. In Interview-Einspielern analysieren die schon erwähnten Pionierinnen von Sinnen und Böttinger sowie vor allem Maren Kroymann mit analytischem Scharfsinn, wie patriarchale Machtstrukturen und Rollenbilder vermittelt, vorgelebt und zementiert werden.

So altbacken wie die großen, alten Herren der TV-Unterhaltung wie Kulenkampff und Frankenfeld, die Frauen nur dekorativ als Assistentinnen durch ihre Show stöckeln ließen, waren die Gottschalks und Schmidts nicht. Wie zotig und aus der Zeit gefallen ihr damals als frischer Wind wahrgenommener Humor wirkt, dokumentiert diese Collage eindrucksvoll.

Auf ihre einzige Schwachstelle machte Daniel Kothenschulte (FR) aufmerksam: einige wichtige Vorreiterinnen der Komik von Helga Feddersen über Lore Lorenz bis Elisabeth Volkmann übergeht der Film komplett, Evelyn Hamann oder Grit Böttcher werden nur als Fußnoten erwähnt.

Trotz dieser Leerstellen und Verkürzungen ist die ZDF-Koproduktion „Was haben wir gelacht“ sehenswert, die am 1. Juli 2026 beim Filmfest München Premiere hatte, einen Tag später mit Publikumsgespräch im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele gastierte und seit 16. Juli 2026 in den Kinos läuft.

Bild: © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert