Little Trouble Girls

Als Tricia Tuttle ihr Amt als neue Berlinale-Intendantin antrat, rief sie die Debütfilm-Sektion Perspectives ins Leben. Der slowenische Coming of Age-Film „Little Trouble Girls/Kaj ti je deklica“ war durchaus als programmatisches Statement zu verstehen. Aus weiblicher Perspektive erzählt dieses stille, betont langsame Drama von der sexuellen Selbstfindung der 16jährigen Lucija (Laiendarstellerin Jara Sofija Ostan). 

Das schüchterne Mädchen hat noch keine sexuellen Erfahrungen und wird von der strengen Mutter abgeschirmt. Bei einem Ausflug mit ihrem Chor in ein Nonnenkloster hat sie einige Schlüssel-Erlebnisse: im „Wahrheit oder Pflicht“-Spiel, das schon Generationen Pubertierender prägte, wird offenkundig, wie weit ihre Entwicklung gegenüber den Mitschülerinnen zurück blieb. Die selbstbewusste Wortführerin Ana Maria (Mina Švajger) zeigt ihr, wie man küsst, und weckt in Lucija heftige Gefühle: ist es nur staunende Bewunderung oder auch sexuelle Anziehung. Zugleich hat es ihr ein Bauarbeiter angetan, den sie voyeuristisch heimlich fotografiert, während er nackt am See badet.

Die hellen Sopran-Choräle des Mädchenchors ziehen sich leimotivisch durch den Film und dominieren lange Einstellungen. Wenn nicht gesungen wird, wird wenig gesprochen. Mehr Raum bekommen Blicke und kleine Gesten, hier ringt Urška Djukić mit einigen Klischeefallen. Die Blumen- und Bienen-Symbolik und das „etwas verworrene, überstürzte Ende“ (Katharina Böhm, taz) mit singenden Nonnen unter dem Wasserfall hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck.

„Little Trouble Girls“ gewann dennoch den FIPRESCI-Preis in der Berlinale Perspectives-Sektion 2025, wurde zu weiteren Festivals in Karlovy Vary oder Tribeca (Beste Kamera) eingeladen und wurde von Slowenien für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert. Am 29. Januar 2026 brachte ihn Grandfilm in die deutschen Kinos, am 10. Juli 2026 hatte er sein TV-Debüt in der queeren Sommer-Reihe im MDR.

Bilder: Grandfilm

   
   

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