Papa liebt dich

Die Autorin Sivan Ben Yishai und die Regisseurin Suna Gürler: dieses Duo müsste eigentlich gut zusammenpassen. Die israelische Autorin machte sich durch wortgewaltige Rundumschläge einen Namen, ihre Stücke wurden bereits bei den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters und im Studio des Gorki Theaters uraufgeführt. Die Schweizer Regisseurin sorgte am Gorki Theater sowohl als Schauspielerin mit den aufstampfenden jungen Frauen in Sibylle Bergs Stücken als auch als Regisseurin der Wut-Choreographie „Stören“ für Furore.

Bei „Papa liebt dich“ finden die beiden Künstlerinnen aber nicht zueinander. Ben Yishai verknüpfte diesmal zu viele unterschiedliche Stränge. Ihr Text, den Gürler auf fünf Spielerinnen aufteilte, wird einer weiblichen Erzählerin in einem Zugabteil in den Mund gelegt. Sie beginnt mit bösen Bemerkungen über die älteren Damen, die ihr mit ihren altmodischen Hüten gegenübersitzen, phantasiert sich in die Waggons ins Vernichtungslager Auschwitz, arbeitet sich an ihrer Wut an ihrer kranken Mutter ab, die sie in der Klinik besucht.

Den sprunghaften 75 Minuten fehlt ein klares Zentrum. Zu beliebig werden Themen aneinandergereiht. Das Ärgerlichste sind die Zoten und Kalauer, die den Textfluss regelmäßig unterbrechen. Ein genervtes Stöhnen geht durch die Reihen, als die Spielerinnen den nächsten flachen – und wie Sophie Diesselhorst argumentierte – oft auch sexistischen Witz abfeuern. Eine Besucherin murmelte kopfschüttelnd: „Der Witz ist nun wirklich schon uralt.“ Die eingestreuten Zoten funktionieren weder als ironische Brüche noch sorgen sie für produktive Verunsicherung.

Bild: Esra Rotthoff

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