Polizeiruf 110: An der Saale hellem Strande

Ein halbes Jahr nach dem „Tatort“ feiert auch der „Polizeiruf 110“ sein 50jähriges Jubiläum: zum Geburtstag schenkte der MDR seinem Publikum ein neues Komissars-Team und einen ostalgischen Retro-Krimi.

Thomas Stuber, der mit „In den Gängen“ ein wunderbar-tragikomisches Porträt von Außenseitern geschaffen hat, bleibt diesem Thema auch im Sonntags-Krimi „An der Saale hellem Strande“ treu: mehr als eine Stunde lang zieht an den beiden missmutigen Kommissaren Henry Koitzsch (Peter Kurth) und Michael Lehmann (Peter Schneider) eine Parade von Wende-Verlierern und Lebenskünstlern vorbei. Sie alle haben gemeinsam, dass sie drei Monate zuvor, in einer November-Nacht, durch die Otto Möhwald-Straße liefen, während ein Unbekannter sein Opfer mit gezielten Messerstichen tötete. Durch die Funkzellen-Abfrage gerieten sie ins Visier der Fahnder und sitzen nun auf dem Polizeirevier beim Verhör.

Eine hochkarätige Theater-Schauspieler-Riege bietet dieser Film als Tat-Verdächtige auf: Till Wonka aus dem Gorki-Ensemble, der einen Familienvater au prekären Verhältnissen spielt, Cordelia Wege, die regelmäßig die Theaterabende ihres Mannes Sebastian Hartmann mit Soli bereichert und hier als laszive Frau mit unklarer Beschäftigung und hohem Verschleiss an Liebhabern auch mit Kommissar Koitzsch, oder Anita Vulesica, die lange im DT-Ensemble war, als Bardame und Puffmutter, die sich vor der Übernahme durch die Albaner fürchtet und mit dem Kommissar sehr vertraut plaudert.

Etwas zäh schleppt sich der Krimi im Retro-Look dahin. Die Dekors atmen viel Ostalgie, dazwischen wird viel gesoffen, geraucht und geseufzt. Bert Wrede, Stamm-Musiker von Michael Thalheimer, steuert mit Johnny Cash, The Doors oder Klaus Renft die passende Musik für einen Fernsehabend bei, der über weite Strecken selig vor sich hin schlummert.

Erst kurz vor Schluss entwickelt das Drehbuch, das Clemens Meyer, der Ostalgie-Experte unter den deutschen Schriftstellern, gemeinsam mit Regisseur Thomas Stuber geschrieben hat, etwas mehr Esprit. Tragikomische Verwicklungen bringen etwas Leben in die zäh dahinfließende Mördersuche. Dreck haben hier zwar viele am Stecken, aber wer denn nun den Mord begangen hat, bleibt – ganz untypisch für einen ARD-Sonntagskrimi, bei dem der Täter doch sonst zuverlässig fünf Minuten vor dem Start von Anne Wills Polit-Talk gesteht, als Cliffhanger im Dunkeln.

Bild: MDR/filmpool fiction/Felix Abraham

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