Leander Haußmanns Stasikomödie

Das Publikum im Saal amüsiert sich, die Kritik rümpft die Nase: Willkommen in der Welt von Leander Haußmann! Kurz nach der Wende der 1990er Jahre war er, zunächst als Regisseur am DNT Weimar und Residenztheater München, später (1995-2000) als Intendant in Bochum, noch ein Darling von Feuilletons und Theatertreffenblase.

Dem Mainstream-Publikum wurde er 1999 durch seinen Kino-Hit „Sonnenallee“ bekannt: eine verträumt-verspielt Groteske über die späten Jahre der DDR. Manche kritisieren, dass der Repressionsapparat von Staatssicherheit und SED viel zu weich und harmlos gezeichnet wird.

Ja, genau, würde Leander Haußmann sagen. Er macht sich einen großen Spaß, Erich Mielke (Bernd Stegemann) als grotesken Sonnenkönig, seine Offiziere, seine Spitzel und Wasserträger als Karikaturen und einen Haufen unterbelichteter, schräger Vögel zu karikieren. An Horst Schlämmer erinnert Henry Hübchen, bis zu seinem Bruch mit Frank Castorf Volksbühnen-Ikone, der den Führungsoffizier Siemens der Hauptfigur Ludger Fuchs (David Kross) mimt.

David Kross als Ludger Fuchs

Der sympathische, aber recht unbedarfte Junge soll in die Dissidenten- und Künstlerszene in den damals vor sich hinbröckelnden Altbauten im Prenzlauer Berg eingeschleust werden. Doch dieser Plot ist nur der dünne rote Faden für eine heitere Revue.

In dieser Stasikomödie gibt sich die Prominenz die Klinke in die Hand: Alexander Scheer gibt sich als queere Diva in der Schoppenstube die Ehre, Volksbühnen-Co-Intendantin Kathrin Angerer hat einen Mini-Auftritt als aufdringlicher Fan des Dissidenten-Schriftstellers, Tom Schilling mimt den beflissenen Archivar, Margarita Broich die Ehefrau der Hauptfigur.

Georg Seeßlen beschrieb in der ZEIT das Motto des ewigen Kindskopfs Haußmann, der am Berliner Ensemble mit „Hamlet“ und „Woyzeck“ in der Ära Claus Peymann einige Treffer landete und Iffland-Ring-Preisträger am Hamburger Thalia Theater in der Molière-Komödie „Der Geizige“ zu großer Form auflaufen ließ: „Bloß nicht erwachsen werden!“ Der szenische Reigen ist manchmal recht platt und banal, bietet aber auch viele funkelnde Juwelen.

Knapp zwei Stunden bietet die Stasikomödie gute Kino-Unterhaltung, mehr will sie auch gar nicht sehen. Zwei Nachdrehs machte die Pandemie nötig, dieser Reifeprozess hat dem Film gut getan. Denn Leander Hausmanns Kinofassung gelingt wesentlich besser als das klamaukigere und holprige „Staatssicherheitstheater“, das er im Dezember 2018 an der Berliner Volksbühne präsentierte. Einige aus dem Cast wie Uwe Dag Berlin, Antonia Bill oder Matthias Mosbach waren auch damals schon dabei, Alexander Scheer und Detlev Buck hatten als Special Guests einen Kurzauftritt während des Premieren-Applauses einer Inszenierung, die nach diversen Intendanz-Wechseln am Rosa Luxemburg-Platz längst nicht mehr auf dem Spielplan steht.

Bilder: Constantin Film

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