Steven Spielberg, einer der Heroen des guten, alten Sommerblockbuster-Kinos, lieferte mit „Disclosure Day“ im Juni nur einen lauen Alien-Nachklapp zu seiner glanzvollen Karriere. In die Lücke stößt nun mit David Robert Mitchell ein jüngerer Regisseur, den man für dieses Genre nicht auf der Rechnung hatte. 2014 wurde er mit dem Indie-Horror-Hit „It follows“ bekannt, 2018 verlor er sich „Under the Silver Lake“, überraschend taucht er nun mit einer Studio-Produktion auf, die sehr schnörkellos ohne Experimente den Genre-Konventionen folgt und auf die Schauwerte setzt.
Als Hommage an Spielberg und seine Erzählweise, die in den vergangenen Jahrzehnten Kassen-Hits in Serie produzierte, lässt sich dieser 95 Minuten kurze Survival-Thriller lesen. Wir reisen ins Jahr 1982, in einen der austauschbaren Suburbs, wo die Familie Platt mit Alltagssorgen zu kämpfen hat. Der Vater (Ewan McGregor) hat seinen Job verloren, schlägt sich heimlich als Pizza-Lieferant durch, die Mutter (Anne Hathaway) schreibt im Keller an einem Roman, in dem sich ihr Alter ego aus dieser gepflegten Langeweile heraus träumt.

Erst sind es nur kleinere Verschiebungen: ein riesiger Kothaufen, der sich im Vorgarten des nervigsten Nachbarn auftürmt, oder eine unbekannte Pflanze auf einem anderen Grundstück. Langsam lüftet Regisseur und Drehbuchautor Mitchell sein Geheimnis: bei einem Gewitter kam es zu einem Riss in Raum und Zeit. Die Vorstadtsiedlung wurde in die Prähistorie katapultiert, wo früher die Ausfallstraße die Pendler zu ihrem Arbeitsplatz brachte, klafft nun ein Abgrund, dahinter beginnt der Dschungel.
Aus diesem Dschungel haben sich allerlei Saurier, Flugechsen und Riesenschlangen in die Siedlung aufgemacht. Auf der Jagd nach Frischfleisch oder auch nur neugierig auf den leckeren Inhalt des Eiswagens stampfen, rennen oder kriechen sie durch die Nachbarschaft und machen mit den kleinen Menschlein kurzen Prozess.
Sehenswert machen „The End of Oak Street“ die Schauwerte, die Überlebenskämpfe gegen den Tyrannosaurus Rex oder den Allosaurus. Ein besonderes Highlight ist die Titanoboa cerrejonensis, die sich lautlos durch zwei Stockwerke bis ins Kinderzimmer schleicht. Abstriche muss man bei der Figuren-Zeichnung machen: sie haben kaum Ecken und Kanten, bleiben Klischees des Hollywood-Kinos.
Spaß macht dieser nostalgische Ausflug ins Saurier-Popcorn-Kino dennoch. Wenige Tage nach der Premiere in Kalifornien startete „The End of Oak Street“ am 13. August 2026 in den deutschen Kinos.
Bilder: Daniel McFaddem/Warner Bros.