Welcome to Hell

Der Titelsong „Welcome to hell“ der neuen Co-Produktion von Neuköllner Oper und UdK hat Ohrwurmqualitäten. Peter Lund (Text und Regie) hat für seinen aktuellen Studien-Jahrgang eine Reihe fiktiver Figuren entworfen, deren Wege sich in Hamburg während des Ausnahmezustands in der G20-Woche im Juli 2017 treffen.

Wir erleben u.a. Sabine, eine Bloggerin mit Angststörungen und Verschwörungstheorien, Stefan, einen besonnenen Polizisten, Ricky, einen Möchtegern-Zuhälter, Friedrich, einen verklemmten Moralapostel, Mina, das Girlie aus Husum auf Party-Trip, das Autonomen-Pärchen Andi und Frieda, die Supermarktkassiererin Krissy und den spanischen Stricher Jesus. Das bunte Panoptikum der Charaktere lässt den Spielerinnen und Spielern viel Freiraum für Solonummern und Kabinettstücken.

In Erinnerung bleibt vor allem der „Paso Doble“, den Andreas Auler als Polizist und Pablo Martinez als Jesus aufs Parkett zaubern. Die beiden überzeugen nicht nur tänzerisch, Peter Lund hat ihnen zu den wohlklingenden Harmonien auch einen giftigen Text zur Polizeigewalt in den Mund gelegt. Eine starke Szene ist auch die Erinnerung der Journalistin Kata (Anastasia Troska) an eine Club-Nacht, bei der sie von mehreren Männern bedrängt wurde.

„Welcome to Hell“ gelingt es, amüsantes Unterhaltungstheater mit Gesellschaftskritik zu kombinieren. Die Figuren sind charmant ge-, nur ein bisschen überzeichnet, die Melodien machen gute Laune, alles wirkt bonbonbunt. In den Texten geht es dafür oft zur Sache: Peter Lund und sein Ensemble verpacken darin deutliche Kritik an der Strategie des Ersten Bürgermeisters und der Polizei, aber auch an den Autonomen. Grundsätzlich, aber zwangsläufig etwas oberflächlich werden auch Themen wie globale Gerechtigkeit mit verhandelt.

Das herausragende Niveau und die stringente Konzeption von „Kopfkino“ im vergangenen Jahr erreicht „Welcome to Hell“ zwar nicht. Aber auch dieser Abend bietet die gewohnt gute Unterhaltung mit talentiertem Nachwuchs, die wir aus den UdK/Neuköllner Oper-Koproduktionen kennen.

Nur noch wenige Vorstellungen bis zum 29. April. Die Produktion wird vom 22.11.2018 bis 3.1.2019 wiederaufgenommen.

Bilder: Matthias Heyde

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