Die Kunst des Deals

Auf der Vorbühne ist das Ensemble aufgereiht, der eiserne Vorhang hinter ihnen heruntergelassen: entspannt sitzen sie vor ihren Mikros und lesen das E-Mail-Protokoll eines völlig entgleisten Probenprozesses. 

Dieses Setting war schon das Erfolgsrezept ihres Theatertreffen-Überraschungs-Hits „Hundekotattacke“, mit dem das niederländische Wunderbaum-Kollektiv und ihr damaliges Ensemble vom Theaterhaus Jena dem Betrieb den Spiegel vorhielten und mit ihrer Meta-Satire aus der vermeintlichen Provinz ein Ausrufezeichen setzten.

Damals war es die Aufregung um den Übergriff eines Starchoreographen gegen eine FAZ-Kritikerin, die ihm erstaunlicherweise nur einen sehr kurzen Karriereknick einbrachte, diesmal geht es um den erratischen und narzissistischen Typen, der in kaum einer Tagesschau-Ausgabe fehlt. Mit Donald Trump und autobiographischen Ratgeber „The Art of the Deal“ (1987), der von seinen von Fans als Bibel verehrt wird und von einem Ghostwriter geschrieben wurde, möchten sie sich diesmal befassen.

Doch wieder mal klappt scheinbar nichts: das Regie-Kollektiv taucht gar nicht auf, die Dramaturgie setzt den Schauspielern ein Musik-Duo (Moritz Bossmann, Kristina Koropecki) mit Cello/Gitarre und ein US-Girl mit Musical-Erfahrung (Mona Vojcek Koper, die tatsächlich aus Kalifornien stammt und schon in Jena mit Wunderbaum arbeitete) vor die Nase. Dazu kommen noch die privaten Alltags-Problemchen im Ensemble: Stacyian Jackson ist ständig ganz aufgekratzt, bis sie endlich einen Kita-Platz findet, Puk Brouwers flirtet mit Abenaa Prempeh, die nach der Trennung vom Ex genug von den Männern hat, Veronika Nickl aus der Generation Ü60 wundert sich über die jungen Leute um sie herum und Lukas von der Lühe hat keinen Bock auf Trump und auch sonst nix.

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So geht es knapp anderthalb Stunden, bis sich der Vorhang hebt und wir doch noch eine exzentrisch-schillernde Musical-Show mit überdimensionalem Bananen-Bühnenbild und 80er-Retro-Kostümen erleben, die musikalisch von Minimal Music über Rap bis zu Anleihen beim Bochumer Musical-Hit „Starlight Express“ einen ganz großen Bogen spannt.

Bemerkenswert, wie diese Show inklusive Zugabe das Publikum in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses abholt. Generationsübergreifender Jubel von den Rentnerinnen bis zu den Studis, fast der gesamte Saal stand beim Schlussapplaus, die angereiste Theatertreffen-Jurorin gehörte zu den wenigen Ausnahmen. Auch wenn Juror Jakob Hayner in seiner wie üblich missgelaunten Premierenkritik bei Springer bereits zu Protokoll gab, dass er den Abend nur für einen albernen Aufguss des 2024er Hits hält, sollte die Jury ernsthaft diskutieren, „Die Kunst des Deals“ in die nächste 10er-Auswahl aufzunehmen.

„Die Kunst des Deals“ hatte am 18. April 2026 in den Kammerspielen des Schauspielhaus Bochum Premiere. 

Bilder: Sophia Hegewald

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