Ich verstehe Ihren Unmut

Dass er vom Dokumentarfilm kommt, ist Kilian Armando Friedrichs Spielfilm-Debüt deutlich anzumerken. Atemlos folgt die Handkamera der kettenrauchenden, robusten Heike (Sabine Thalau), die als Objektleiterin einer Reinigungsfirma kontrolliert, ob ihre Leute gründlich gearbeitet haben. Auf der Fahrt zur nächsten Station führt sie gereizte Telefonate mit Kunden, die sich beschweren, beide Seiten fallen sich ständig ins Wort. 

Sie strahlt Härte aus und man merkt ihr an, dass sie sich seit Jahrzehnten im Niedriglohnsektor aufgerieben hat. Sie kann aber auch fürsorglich und mütterlich sein. Doch unter dem Druck ihres Chefs, in häufigen Auseinandersetzungen mit den Kunden und in ständigen Konflikt mit Subunternehmern gerät Heike mehr und mehr in eine Zwickmühle. Sie überschreitet moralische Grenzen, um Leute aus dem Betrieb zu kegeln, und muss doch weiter funktionieren.

Das Drama über die Knochenmühle im prekär bezahlten Bereich lebt von überzeugenden Laiendarsteller*innen wie Thalau. Ihre Figur Heike möchte am Ende zwar aussteigen, träumt von einem Neuanfang mit einer fair gestalteten Kooperative, doch die Sachbearbeiterin auf dem Amt macht ihr sehr deutlich, dass sie das für unrealistisch hält, und Heike lieber mit zusammengebissenen Zähnen bis zur Rente durchhalten solle. 

Der HFF-Abschlussfilm wurde als Koproduktion mit der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel gedreht und lief bereits im Februar 2026 im Panorama der Berlinale. Am 4. Juni 2026 startete er in einigen Programmkinos.

Bild: Louis Dickhaut, Frederik Seeberger, WennDannFilm

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