Thelma and Louise

Oft, zu oft, merkt man Filmhits vergangener Jahrzehnte an, dass sie aus einer anderen Zeit stammen. Sie haben Patina angesetzt, die Dialoge wirken aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch und man kann nur noch erahnen, warum diese Werke zu ihrer jeweiligen Zeit herausragten.

Anders bei „Thelma and Louise“, dem Roadmovie-Thriller von Ridley Scott, der als feministisches Empowerment-Drama gerade in Zeiten des Backlashs von Trump und Co. erstaunlich aktuell wirkt.

Bei der Oscar-Verleihung 1992 stand „Thelma and Louise“ im Schatten des Hollywood-Films der Stunde, des Psycho-Thrillers „Das Schweigen der Lämmer“, trotz fünf Nominierungen in zentralen Kategorien (beste Regie, beste Hauptdarstellerinnen, beste Kamera, bester Schnitt) konnte sich nur Callie Khouri über den Preis für das beste Drehbuch freuen. Zuvor hatte sie schon den Golden Globe gewonnen.

Ihr gelang ein mitreißendes Drama über zwei Frauen aus der Suburb-Mittelschicht, die für ein Wochenende aus dem Alltag als Kellnerin im Diner oder als Hausfrau und ihren lieb- und leblosen Ehen ausbrechen wollen. Als Thelma (Geena Davis) bei einem Zwischenstopp in einer Bar mit Harlan (Timothy Carhart) zu flirten beginnt, überschreitet er die Grenzen und versucht, sie auf dem Parkplatz zu vergewaltigen. Louise (Susan Sarandon) greift ein und erschießt den Täter. Da dies aus Mischung aus Notwehr und Affekt und wegen zahlreicher Zeugen des vorangegangenen Flirts vor Gericht kaum zu Gunsten der beiden Frauen ausgehen dürfte, entscheiden sie sich zu einer Planänderung. Statt zur Hütte biegen sie von Arkansas Richtung Mexiko ab.

Die Polizei unter Leitung von Hal Slocomb (Harvey Keitel) auf den Fersen, machen die beiden Frauen mehrere Stadien des Entwicklungsprozesses durch. Dem charmanten Gangster J.D. (der damals noch unbekannte Brad Pitt) geht Thelma allzu naiv auf den Leim und verliert das gesamte Geld, das die kühler und rationaler agierende Louise per Banktransfer für die Flucht sichern konnte.

Bis zum Showdown am Grand Canyon erleben wir hervorragendes Hollywood-Action- und Empowerment-Kino. Die taz hielt damals zum Kinostart am 24. Oktober 1991 fest: „Thelma and Louise“ bebildert und bilanziert den alltäglichen Sexismus — realistisch wie kaum ein anderer Mainstream-Film.

Bilder: Capelight Pictures

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