Über alle Stränge schlägt Tommy (Anson Boon) in der ersten langen Szene: er pöbelt, betrügt, schüttet und stopft sich mit allerlei Substanzen zu, bis die Leinwand kurz schwarz wird.
In scharfem Kontrast dazu geht es weiter: Chris (Stephen Graham) führt ein Kontroll-Freak-Regiment in einem abgeschiedenen Landhaus, auf seine kränklich-blasse Frau Kathryn (Andrea Riseborough) nimmt er höchste Rücksicht, der Sohn Jonathan (Kit Rakusen) ist ganz auf Linie. Falls er doch mal negativ auffällt und mit einer Schachtel Kippen erwischt wird, muss er sie komplett inhalieren.
In die Fänge dieser schrecklich sympathischen Familie ist Tommy geraten. Im Keller angekettet findet er sich wieder, zunächst wird er wie ein Tier gehalten, darf nicht mal die Toilette benutzen sondern nur einen Eimer. Für den Sohn, der zur Räson gebracht werden soll, könnte man Tommy anfangs halten. Doch bald wird klar: er ist ein Fremder, da Tommy seine Eskapaden stolz auf Social Media ausstellt, hatte ihn Chris schon länger auf dem Radar. Seine Mission: das Adrenalin-Bündel, das bisher immer straflos davon kommen, umerziehen.
Das schwarzhumorige Kammerspiel „Heel“ (deutscher Verleih-Titel: „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“) erzählt, wie sich Tommy langsam in sein Schickaal fügt und an immer längerer Leine schließlich auch mit am Esstisch und auf der Couch sitzen darf. Der Pole Jan Komasa führt seine Versuchsanordnung in seinem zweiten englischsprachigen, bislang besten Film konsequent durch.
Nach seiner Premiere im September 2025 in Toronto lief „Good Boy“ im Herbst 2025 in London und im Frühjahr 2026 bei de Fantasy Film Nights. Am 4. Juni 2026 brachte ihn der X-Verleih in die deutschen Kinos.
Bild: @ RPC Good Boy Limited & Skopia Film, Photograph: Lukasz Bakj, X Verleih