3 Schwestern

Mühsam ist es, im dunklen Theatersaal immer und immer wieder darauf hinweisen zu müssen, dass aufblitzende Smartphones, egal ob zum kurzen Blick auf die Uhr, zum Mitfilmen einer Szene für die Social Media-Story oder gar zum minutenlangen Scrollen durch Apps und Timelines, die Konzentration massiv stört. Alle Hinweise und Durchsagen fruchten nichts.

Einen Bärendienst erweist all diesen Bemühungen das Schauspielhaus Zürich mit „3 Schwestern“, einem sehr, sehr frei von Anton Tschechow inspirierten Auftragswerk der Wiener Newcomer-Kultautorin Barbi Marković. Ausdrücklich ist das Publikum diesmal eingeladen, die Smartphones anzulassen und im WhatsApp-Chat ein zusätzliches Gimmick mitzuerleben.

Das Ergebnis ist verheerend: viele ältere Zuschauer*innen sind überfordert, fummeln und scrollen hektisch auf ihren zu maximaler Helligkeit hochgefahrenen Displays herum, auch die Jüngeren greifen reflexartig bei jedem Pling zum Gerät. Das entstehende Dauer-Grundrauschen wird noch anstrengender, wenn sich die Zuschauer*innen deutlich vernehmbar über die technischen Probleme austauschen.

Die Quittung ist eine Selbstdemontage des Autor*innentheatertage-Gastspiels. Bei so viel Unruhe könnte kaum ein Abend bestehen, erst recht nicht, wenn es sich um eine launige Esoterik-Mystery-Comedy wie hier handelt. Mit Karin Pfammatter, einer der langjährigen Stützen des Zürcher Ensembles, Sabine Waibel, die vor kurzem sehr souverän zum TT-Auftakt beim „Il Gattopardo“ einsprang, und Lena Urzendowsky, gerade mit der Lola als beste Nebendarstellerin in „In die Sonne schauen“ ausgezeichnet, stehen hier hochkarätige Spielerinnen auf der Bühne.

Zunächst liegend hinter der Gaze-Wand, dann nach einer Gasthermen-Explosion an langen Zöpfen miteinander verbunden kämpfen sie sich durch einen skurril vor sich hinwitzelnden Text, der nicht am Sehnsuchtsort Moskau oder in der russischen Provinz, sondern in Markovićs Heimat Wien spielt. Als Zombies leben die 3 Schwestern weiter, im Kampf gegen Bros und gegen Gentrifizierung, die trotz der klugen Wiener Infrastruktur- und Städtebaupolitik auch dort voranschreitet.

Christina Tscharyiskis Inszenierung plätschert als launige Comedy dahin. Von den aus Zürcher Premierenkritiken berichteten Beifallsstürmen ist der verhaltene Applaus beim Berliner Gastspiel jedoch weit entfernt.

Bild: Arno Declair

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