Ein besonderes Talent hat Hlynur Pálmason (in Personalunion zuständig für Regie, Drehbuch und Kamera) für Aufnahmen der isländischen Landschaft: von der beeindruckenden Totale bis zur Nahaufnahme bieten viele kurze, beeindruckende Momente.
Sie sind im doppelten Sinn eine äußerst willkommene Abwechslung: „The love that remains“ startet mitten in einer Hitzewelle in den deutschen Kinos, nach sengender Sonne und dampfiger Dunstglocke sind die Bilder vom regnerisch-kühlen und windigen Klima auf der Norseeinsel eine Wohltat. Diese Miniaturen sind aber auch dringend notwendig, um das Zuschauerinteresse wach zu halten: im Slow Cinema-Stil plätschern die Spurenelemente eines Plots dahin. Statische, distanzierte Einstellungen zeigen Momentaufnahmen der Beziehung von Magnús (Sverrir Guðnason) und Anna (Saga Garðarsdóttir), die gerade im Trennungsprozess sind, aber doch noch nicht ganz loslassen können.
Der Familienhund und die echten Kinder des Regisseurs toben um dieses Paar herum. Er ist als Hochseefischer kaum zu Hause, sie ist frustriert, da sie keinen passenden Galeristen für ihre Kunst findet. Dramaturgisch passiert lange so gut wie nichts, als „lahme Ente“ beschimpfte Kino-Zeit den Plot. Bis es am Ende einige Twists gibt, die mit tollen surrealen Mystery-Momenten punkten und über die nicht zu viel verraten werden soll.
„The love that remains (Ástin sem eftir er)“ wurde im Mai 2025 in der Sektion Cannes Premières uraufgeführt und hatte dort einen passenden Ort: visuell bemerkenswert und ideenreich, aber doch zu sperrig und versponnen für den Wettbewerb um die Palmen. Anschließend lief er auf diversen weiteren kleineren Festivals von New York bis Wien und wurde auch als isländischer Beitrag für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film nominiert.
Plaion Pictures brachte „The love that remains“ am 18. Juni 2026 in die deutschen Kinos.
Bild: © Hlynur Pálmason