Mit einem bemerkenswerten Spielfilm-Debüt machte der 33jährige Kanadier Daniel Roher im vergangenen Spätsommer bei den Festivals in Telluride und Toronto auf sich aufmerksam. Bis dahin hatte er einige Musik-Dokus gedreht und 2023 für ein Porträt des unter höchst fragwürdigen Umständen in einem sibirischen Straflager zu Tode gekommenen russischen Oppositionspolitikers Nawalny einen Oscar bekommen.
Oscar-würdig ist auch das Sound-Design von Johnnie Burn: Alltagsgeräusche wie ein leises Knistern oder Knacken werden für vpn Hyperakusis Betroffene zu einer Tortur. Was dies bedeuten mag, lässt die Tonspur von „The Piano Tuner“ in mehreren Sequenzen vor allem in der zweiten Hälfte eindrucksvoll erahnen.

Über ein solch übersensibles Gehör verfügt Niki White (Leo Woodall), der das tägliche Leben in der Großstadt nur mit Ohrstöpseln und Schalldämpfern ertragen kann. Seine Hyperakusis ist jedoch nicht nur Fluch, sondern auch Segen. In den New Yorker Villen bringt er sein perfektes Gehör als Klavierstimmer zum Einsatz. Dort ködert ihn auch Bandenchef Uri (Lior Raz), da keiner so schnell und gewaltlos Safes knacken kann wie Niki, wenn er auf das Einrasten der kleinen Rädchen lauscht und den Code knackt. Mit seinem Talent verdient Niki schnell gewaltige Summen, die er auch dringend für den Krankenhaus-Aufenthalt seines Mentors Harry Horowitz (der 88jährige Dustin Hoffman) benötigt.
Über weite Strecken kommt der Debütfilm wie ein klassisches Heist Movie aus der guten, alten Zeit des Hollywood-Kinos daher, garniert mit einer schönen Liebesgeschichte zwischen Niki und der Pianistin Ruthie (Havana Rose Liu) sowie den tragikomischen Buddy-Szenen zwischen Niki und Harry. Außergewöhnlich macht den Film die eingangs schon erwähnte Tonspur: ganz unaufdringlich und sehr virtuos wird das herausragende Sounddesign in den Plot eingewoben.
Kurz vor dem deutschen Kinostart am 2. Juli 2026 lief „The Piano Tuner“ auch in der „Spotlight“-Gala-Sektion des Filmfests München.
Bilder: Black Bear