Von einer besonders schillernden Karriere erzählt Akın Emanuel Şipal in „Der Zauberer von Öz“ im Kleinen Haus in Bremen. Aufgewachsen als „Gastarbeiter“-Sohn in Gelsenkirchen, reifte Mesut Özil bei Werder Bremen zum Star. Unaufhaltsam schien der Aufstieg dieser Dribbelkünstler-Ausnahmebegabung: bald wurde er in die Nationalmannschaft berufen, mit der er 2014 Weltmeister wurde, mit Real Madrid und Arsenal London rekrutierten ihn zwei der finanzstärksten Champions League-Teams für ihre teuren Kader. Mit seinem schüchternen Lächeln war er Everybody´s Darling, der Bambi für Integration demonstrierte seine Bedeutung weit über den Fußball hinaus.
Umso tiefer war sein Fall: Kurz vor der WM 2018 kursierten Fotos, auf den der türkischstämmige Spieler aus dem Ruhrpott mit dem Autokraten Recep Tayyip Erdogan zu sehen war. Nach dem desaströsen Auftritt der deutschen Mannschaft mit dem erstmaligen Vorrunden-Aus bei einer WM stand Özil im Zentrum der Kritik. Er erklärte seinen Rücktritt aus dem DFB-Nationalteam, zog in eine Villa nach Istanbul und kickte dort noch einige Jahre. Seit 2025 ist er im Vorstand von Erdogans AKP. In der deutschen Öffentlichkeit wurde er vom gefeierten Helden zum Outlaw.
Aram Tafreshian, der bis 2018 im Ensemble des Gorki Theaters war, konzentriert sich seit einigen Jahren auf Regie und inszeniert diese „Fußballtragödie“ (Untertitel des Abends) mit viel Witz und noch mehr Tempo. Weniger als zwei Stunden ist dieser Abend kurz, verlangt seinem Publikum aber nicht nur Konzentration, sondern auch Vorwissen auf einigen Feldern ab.

In schnellen Schnitten und gespickt mit kurzen Anspielungen, Schnipseln und Einwürfen pflügt „Der Zauberer von Öz“ durch die jüngere Zeitgeschichte des Fußballs und der Integrations-Debatten. Das jeweilige Umfeld der Karriere-Stationen von Özil wird kurz beleuchtet. Ein großer Spaß für die Fachkundigen, die sich erinnern. Jene, die nicht so sattelfest sind, drohen in diesem Gewitter aus Spielszenen, Videos und chorischem Sprechen unterzugehen.
Eine Schwäche des Abends ist, dass er mit einem Nachklapp ausplätschert und recht unvermittelt endet. Bis dahin erlebt man einen unterhaltsamen Ritt durch diverse Themengebiete, der die Achterbahn eines talentierten Fußballers zwar auch nicht erklären kann, aber nachempfinden lässt.
„Der Zauberer von Öz“ gastierte am 15./16. Juni 2026 bei den Autor*innentheatertagen in der Kammer des Deutschen Theaters Berlin. Dort wurde Şipal auch mit dem Hermann Sudermann-Preis ausgezeichnet. Zuvor war das Stück bereits zu „radikal jung“ am Münchner Volkstheater eingeladen.
Bilder: Jörg Landsberg