Ganz zu Beginn des 2026er Wettbewerbs-Jahrgangs stellte die Tunesierin Leyla Bouzib ihren dritten Film vor, der im Positiven wie im Negativen ein typischer Berlinale-Film ist. In der Tradition von Dieter Kosslick ist „Mit leiser Stimme“ politisch engagiertes Kino, das ein gesellschaftliches Problem präzise entfaltet und klar benennt. Wie auch schon im ersten Jahrgang, den seine Nach-Nachfolgerin Tricia Tuttle verantwortet, spielen Homosexualität und Homophobie eine zentrale Rolle.
Der Nachteil ist, dass diese wichtigen Themen sehr schematisch verhandelt werden, wie Bert Rebhandl in der FAZ beklagte. Die Figuren verlieren an Lebendigkeit, sind vor allem Thesenträger.
Da Homosexualität in dem nordafrikanischen Land verboten ist, reagieren die Figuren mit dem Rückzug ins Private und Geheimhaltung. Angeführt von der resoluten Großmutter versuchen die Schwestern von Daly alles, seine Homosexualität zu verbergen, als die Polizei ermittelt, nachdem er nackt tot aufgefunden wurde. In den engen Fluren und kleinen Zimmern dieser Familie wird vor allem geflüstert.
Erzählt wird das Drama aus der Perspektive von Lilia (Eya Bouteera), die als Ingenieurin in Paris in lesbischer Beziehung mit Alice (Marion Barbeau) lebt. Als sie zur Beerdigung des Onkels in die alte Heimat zurückkehrt, sieht sie sich zu einem Doppelleben gezwungen. Die Partnerin deponiert sie im Hotel. Erst nach und nach wird sie mutiger, steht in Streitgesprächen mit einem Polizisten oder macho-haften Jugendfreunden zu ihrer Identität.
Auf der Berlinale im Februar ging „Mit leiser Stimme/À voix basse“ leer aus, am 9. Juli 2026 startete der Film in den deutschen Kinos.
Bild: Neue Visionen Filmverleih