Theater-Highlights 2021

Die besten Inszenierungen und Choreographien des Jahres

Live-Ticker aus den Sitzungen der Unions-Fraktion im Bundestag und des Parteivorstands der CDU im Kampf um die Kanzlerkandidatur

Marco Goeckes live gestreamte Patti Smith-Hommage „Good old Moone“ für die Dresden Frankfurt Dance Company

Sivan Ben Yishais Mannheimer Schillertage-Stream-Auftragswerk „Wounds are forever“, das in den Wunden des komplizierten Beziehungsgeflechts aus Gewalt, Traumata und historischer Schuld zwischen Deutschen, Israelis und Palästinensern bohrt

Bastian Krafts Boulevardtheater-Persiflage „Was der Butler sah“ im Marstall des Münchner Residenztheaters, bei dem das cross-gender-besetzte Ensemble hinter tollen Masken kaum wiederzuerkennen ist

Die exzessive „Rouge“-Choreographie von Marion Motin beim Summer Livestream des Londoner Rambert Dance Ensemble

Das Live-Action-Spektakel mit einer Verfolgungsjagd von sogenannten Querdenkern und Polizei zur Eröffnung von René Polleschs Volksbühne, bevor tänzelnde Ko-Intendant*innen mehrere Gänge zurückschalteten

Karin Henkels „Richard the Kid and the King“ mit Lina Beckmann als diabolischem Springteufel und ihren drei starken Gegenparts Kate Strong, Kristof van Boven und Bettina Stucky, der sowohl bei den Salzburger Festspielen als auch im Repertoire des Schauspielhaus Hamburg gefeiert wurde

Denkwürdige Auftritte und bemerkenswerte Einzelleistungen

Birte Schnöink als Judith Shakespeare im Theater-Essay-Film „A Room of our own“ von Swooh Lieu am Frankfurter Mousonturm

Pinar Karabulutus Anspielungen auf Popkultur, Filme und Serien und die Spielfreude des Ensembles um Alexander Angeletta und Justus Maier in der Kölner Lockdown-Webserie „Edward II.“

Die Kamera-Technik des „Rooms“-Live-Streams und Duette/Soli von Simone Damberg Würtz, Guillaume Quéau und Alex Soulliere vom Londoner Rambert Dance Ensemble

Der expressionistische „Dogs of Madness“-Trip im Mittelteil des Hannoveraner Lockdown-Theaterfilms „3 Poems“

Johannes Nussbaums „Hamlet“-Soli am Residenztheater

Das Duell des sich belauernden dreifachen „Felix Krull“ beim zehnjährigen Jubiläum der Inszenierung am Münchner Volkstheater

Der intime Pas de deux von Lucy Wilke und Pawel Duduś im Schmetterlings-Body in ihrer Off-Theater-Performance „Scores that shaped our friendship“ als positive Überraschung am Ende des Theatertreffens

Das wütende, sehr diverse, queer-migrantische Trio Clara Liepsch, Til Schindler und Tamara Semzow im „Tragödienbastard“ des Wiener Schauspielhauses

Nina Pellers Pfauenthron in Ersan Mondtags zu sehr ausfransender Individualisten-Revue „It´s going to get worse“ am Gorki Theater

Elfriede Jelineks Corona-Querdenker-Assoziationsstrom „Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!“ als das Stück der Stunde und die starken ersten 20 Minuten von Karin Beiers Hamburger Uraufführungs-Inszenierung

Svenja Viola Bungartens „Maria Magda“-Text, der feministischen Kanon, Umwertung christlicher Motive und Internats-Schauer-Grusel verknüpft, beim Heidelberger Stückemarkt gewann und vom Theater Münster als Stream uraufgeführt wurde

Das Albtraum-Solo von Simon Werdelis in Sebastian Hartmanns nächtlichem, überlangem Dresdner Live-Stream „Das Buch der Unruhe“

Das FIND-Festival an der Schaubühne, das im zweiten Anlauf doch noch Kirill Serebrennikows Feier der Schönheit „Outside“, die Radikal-Performance „The Scarlett Letter“ und das berührende Solo „Qui a tué mon père“ von Èdouard Louis zeigen konnte und dem oft eintönigen Berliner Repertoire-Betrieb damit spannende Perspektiven entgegensetzte

Das bildstarke Festival-Theater „Maria Stuart“ von Burgtheater-Intendant Martin Kušej mit seinen beiden Königinnen Bibiana Beglau und Birgit Minichmayr in einem Labyrinth nackter Männer

Die Choreographie intensiven Begehrens von Marcel Kohler und Enno Trebs in Daniela Löffners „Einsame Menschen“-Inszenierung in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin

Julia Gräfners eindringliche Schilderung der Spanischen Grippe als stiller Moment in Jan Bosses aufgekratzt-alberner Adaption der „Effingers“-Familien-Saga an den Münchner Kammerspielen

Die erfreulichen Überraschungen des Jahres

#Actout, das queere Manifest von 185 queeren Schauspielerinnen und Schauspielern im SZ-Magazin

Die vielen positiven Kritiken für „Werther.live“ von Süddeutsche Zeitung bis New York Times und die zahlreichen Festival-Einladungen für diesen Überraschungshit des Lockdown-Herbsts 2020

Die starke Auswahl an Uraufführungs-Texten beim Mülheimer Theaterfestival wie „Stummes Land„, „Reich des Todes“ und „Tragödienbastard

Die unterhaltsame Sommer-Open Air-Komödie „Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ von Jan Bosse und dem Deutschen Theater Berlin, die trotz alberner, flacher Vorlage erstaunlich gut gelingt

Die große Solidarität mit Kirill Serebrennikow und die Gastspiel-Einladungen „Outside“ an die Schaubühne und von „Machine Müller“ in den Pfalzbau Ludwigshafen

Enttäuschungen und Ärgernisse des Theaterjahres

Die bemerkenswert schwache 10er-Auswahl der Theatertreffen-Jury

Der unrühmliche #metoo-Abgang von Klaus Dörr an der Volksbühne

René Polleschs fade Slapstick-Revue „Goodyear“ zum Neustart nach dem Lockdown am DT Berlin

Joachim Meyerhoffs schlurfender „Vernon Subutex“ an der Schaubühne, dem auch Ruth Rosenfeld keinen Energieschub mehr geben kann

Frank Castorfs „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ auf Auto-Pilot und voller selbstverliebter Anspielungen auf längst vergangene Volksbühnen-Inszenierungeh am Berliner-Ensemble

Regie-Jungstar Ewelina Marciniak, die mit der „Jungfrau von Orleans“ zum Auftakt der Schillertage Mannheim nichts anfangen konnte

Sandra Hüllers zu diffuse Donna Haraway-Hommage „The Shape of Trouble to come“ als Live-Stream aus Leipzig

Das Kleist-Hörspiel „Michael Kohlhaas“ von Simon McBurney an der Schaubühne, das viel zu wenige spielerische Momente wie von Laurenz Laufenberg und Moritz Gottwald als Pferde hat

Die recyclte Soap von Simon Stone an der Schaubühne von Simon Stone mit Caroline Peters als neurotisch-obsessiver „Yerma“

Die angezogene Handbremse von Barrie Kosky bei der „Dreigroschenoper“-Neuinszenierung am Berliner Ensemble

Anta Helena Reckes sehr karge Roman-Adaption „1000 Serpentinen Angst“ am Gorki Theater

Florentina Holzingers Ekel- und Flachwitz-Aufguss „A Divine Comedy“ als Koproduktion von Ruhrtriennale und Volksbühne

Der enttäuschende Start von René Pollesch an der Volksbühne, der zum Auftakt fast ausschließlich seine eigenen, zum Teil mit Festivals koproduzierten Arbeiten zeigen konnte und Kritik für einen zu dürren, eintönigen Spielplan erntete

Barbara Freys minimalistische Geisterbeschwörung „Der Untergang des Hauses Usher“ zum Auftakt ihrer Ruhrfestspiele-Intendanz

Sebastian Hartmanns überlanger Dostojewski-Slapstick „Der Idiot“ am DT Berlin

Jan Bosses, Joachim Meyerhoffs und Angela Winklers erfolgloser, an der Schaubühne in fadem Slapstick versinkender Versuch, den Ton von Christian Krachts „Eurotrash“ zu treffen

Maja Zades Boulevard-Komödie „Reden über Sex„, die im Stuhlkreis an der Schaubühne ohne Pointen versandet

Bild von Lina Beckmann in „Richard the Kid and the King“: Monika Rittershaus

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